Im Interview mit Linh Nguyen, Gesundheits- und Krankenpflegerin auf der IMC der Hämato-Onkologie

Vor kurzem hat Linh Nguyen ihre Ausbildung an der Uniklinik abgeschlossen und direkt das nächste Kapitel ihrer Laufbahn begonnen: Auf der internistischen Intermediate Care Station wächst sie mit Unterstützung ihres Teams immer mehr in den Beruf hinein. Dass sie genau diesen Weg für sich gewählt hat, bezeichnet sie selbst als beste Entscheidung ihres Lebens.

Wie sind Sie an die Uniklinik gekommen?

Ich wollte im sozialen Bereich arbeiten, deswegen habe ich auch das Fachabitur im Gesundheits- und Sozialwesen gemacht. Eine Freundin von mir hat auch ihr Jahrespraktikum fürs Fachabitur im Krankenhaus gemacht und nur Gutes erzählt. Sie wollte auch die Ausbildung anfangen. Da dachte ich mir: Komm, ich bewerbe mich mal. Und es hat geklappt. Letztes Jahr habe ich meine Ausbildung an der Uniklinik abgeschlossen und direkt auf der Intermediate Care Station der Hämato-Onkologie angefangen.

Was sind denn so typische Aufgaben auf der IMC?

Alle Patienten sind am Monitor zur Überwachung und wir kontrollieren beim Betten-Check-up, ob alles stimmt: Ist die Sauerstoff-Frequenz richtig? Funktioniert die Absaugung? Wir geben Medikamente und nehmen regelmäßig Blut über einen zentralen Venenkatheter oder einen Shaldon-Katheter ab, der zeitgleich zur Dialyse zur Verfügung steht. Oder über eine Arterie, wo wir auch den Blutdruck messen können. Das machen wir so zweimal pro Schicht, um bestimmte Elektrolyt-Werte zu beobachten. Viele haben Elektrolyt-Entgleisungen und müssen engmaschig kontrolliert werden.

Die IMC wird auch als Bindeglied zwischen Normal- und Intensivstation bezeichnet. Wie kann man sich das vorstellen?

Bei uns werden Untersuchungen wie Magenspiegelungen direkt auf Station gemacht, weil die Patienten zu krank sind, um transportiert zu werden oder weil es im Notfall schnell gehen muss. Die Gastrologen kommen zu uns und führen Koloskopien durch. Auch etwas, das man auf der Normalstation nicht hat: Wir müssen die Monitore im Blick haben. Im Gegensatz zur Intensivstation werden die Patienten bei uns aber nicht beatmet. Das Einzige, was wir machen, ist der Highflow. Das ist eine Maske, die mit Druck Sauerstoff zufügt.

Was motiviert Sie in Ihrer Arbeit?

Es ist schön zu sehen, wie Menschen Dankbarkeit zeigen. Das macht einen schon total glücklich und man weiß, man hat Gutes getan. Wir hatten mal eine Frau bei uns, die war schwer krank und super jung. Hatte viele Drainagen-Zugänge und ist dann trotzdem irgendwann mit der Physiotherapie an mir vorbeigelaufen. Da war ich kurz baff. Das hätte ich nicht gedacht. Ich war zwei, drei Tage vorher im Zimmer und dann stand sie da vor mir und ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Solche Situationen finde ich super schön und die kommen häufiger vor.

Linh Nguyen, Foto: Michael Wodak

»Ich bin gerne an der Uniklinik, weil es ein sehr großes Haus ist. Man sieht viel. Ich habe meine Ausbildung hier angefangen und meiner Meinung nach ist es die beste Entscheidung, die ich jemals getroffen habe. In einem kleineren Haus hätte ich nicht so viel gelernt und erlebt.«

Woher kommen Ihrer Meinung nach Vorbehalte gegenüber der Pflege-Ausbildung?

Viele Leute wissen gar nicht, was Pflege ist. Man müsste die Leute mitnehmen und uns einen Tag begleiten lassen. Ich glaube, dann verstehen sie auch, wie wichtig Pflege ist und warum die Arbeit vielen Menschen Spaß macht. Außerdem ist es ist leider so, dass eine Ausbildung immer noch schlechter angesehen wird als ein Studium. Das ist sehr schade. Ich habe selbst eine Ausbildung abschließen dürfen und bin dadurch nicht schlechter oder verdiene weniger Geld.

Haben Sie Tipps, wie die ersten Schritte im Berufsleben am besten gelingen?

Was ich sehr wichtig finde, ist der Austausch. Mit Kollegen, die auf anderen Stationen arbeiten, beispielsweise Freunde aus der Ausbildung, die verstehen, was ich erzähle. Ich finde, der Austausch hilft total, weil man sich selber reflektiert und merkt: Okay, vielleicht habe ich doch alles richtig gemacht. Es auch wichtig, eine gute Mitte zu finden. Ich mache gerne Sport, um mich abzulenken und den Kopf frei zu kriegen.

Linh Nguyen, Foto: Michael Wodak

»Am Anfang hatte ich Angst, ob es die richtige Entscheidung war. Aber jetzt kann ich sagen, dass ich es nicht bereue. Ich bin viel selbstbewusster und strukturierter geworden. Unser Team ist super und unterstützt alle Neuen. Niemand wird verurteilt, wenn er oder sie etwas noch nicht kann. Und es ist immer ein Arzt da.«

Was gefällt Ihnen an der Uniklinik?

Die Uniklinik bietet sehr viel Fort- und Weiterbildungen. Bei uns kann man zum Beispiel eine Weiterbildung in der Anästhesie und Intensivpflege machen. Und jede Station ist auf ihre eigene Art und Weise besonders. Die Uniklinik hat sehr viele außergewöhnliche Fälle, die es so nicht in einem normalen Krankenhaus geben würde, weil die Ärzte da nicht die Erfahrung haben oder weil es wenige Menschen gibt, die diese Erkrankung haben. Sie landen oft bei uns in der Uniklinik und das macht die Uniklinik außergewöhnlich.

Wie viel Köln steckt in der Uniklinik?

Köln hat tolle, offene Menschen und das spiegelt sich auch in der Uniklinik wider. Da liegen viele Leute aus Köln, aber auch die Mitarbeiter sind lockerer. Man wird direkt mit ins Team reingenommen und so ist auch Köln. Du wirst direkt angesprochen. Auch, wenn du an der Straße stehst, steht da jemand neben dir und spricht dich auf einmal total nett an. Das passiert in der Uniklinik auch oft. Das ganze Team, egal auf welcher Station, begrüßt dich mit offenen Armen und du bist direkt drin. Es ist egal, wie viele Tage du schon da bist.