Einblicke von Carlotta Cadsky

Carlotta Cadsky ist 22 Jahre alt und steht kurz vor dem Abschluss ihres dualen Studiums »Klinische Pflege«. Bei ihrem letzten Praxiseinsatz in der Hämatologie, Onkologie und Infektiologie von Februar bis März hat sie den Beginn der Corona-Krise direkt miterlebt und weiß seitdem den Zusammenhalt auf der Station und den Austausch mit den anderen Azubis und dual Studierenden noch mehr zu schätzen.

Carlotta Cadsky, absolviert den dualen Studiengang »Klinische Pflege«

Warum hast du dich für das duale Studium »Klinische Pflege« entschieden?

An der Pflegeausbildung hat mich der ständige Kontakt mit den Patienten interessiert. Ich möchte Menschen in ihrer Erkrankung, bei der Genesung oder auch in ihrer letzten Lebensphase begleiten. Für das duale Studium habe ich mich entschieden, weil ich mich auch für die Akademisierung und das Ansehen des Berufes einsetzen will. Die aktuelle Ausnahmesituation zeigt wieder, wie wichtig dieser Beruf ist.

Was ist für dich das Besondere an der Kombination aus Pflegepraxis und Studium?

Durch unsere Einsätze an der Uniklinik haben wir die Möglichkeit, unser Wissen aus dem Studium praktisch umzusetzen. Wir lernen, wie wir wissenschaftlich begründet arbeiten und die Patienten bestmöglich versorgen. Mir gefällt, dass wir an der Uniklinik so viel Abwechslung haben und in viele Fachbereiche hineinschauen können.

Was bedeutet dir ein guter Zusammenhalt im Team?

Wie wichtig der Teamzusammenhalt wirklich ist, habe ich in meinem letzten Praxiseinsatz gelernt. Sei es, dass man vor- und nacharbeitet oder man mal länger bleibt, um den nächsten Dienst zu unterstützen. Ohne diesen Zusammenhalt funktioniert nichts. Auch im Studium. Meine Klassenkameraden und ich stehen im ständigen Austausch. Vor allem so kurz vor unseren Examensprüfungen ist diese Zeit sehr aufregend. Unsere Kursleiter versuchen durch wöchentliche Konferenzen zu gucken, wie es uns geht und wo wir Unterstützung brauchen. Auch wenn wir viel miteinander schreiben und Videoanrufe machen, ist das Lernen alleine zu Hause viel schwieriger. Ich freue mich schon, wenn ich mich wieder mit meiner Lerngruppe treffen kann.

Welche Gedanken gehen dir in der aktuellen Situation durch den Kopf?

Es ist schwierig, Abstand zu halten und sich nicht in den Arm nehmen zu dürfen. Gerade für diejenigen, die in dieser Zeit einen lieben Menschen verlieren und sich nicht richtig verabschieden können. Oder für diejenigen, die ihre Angehörigen im Krankenhaus oder Pflegeheim nicht besuchen können.

Wie sieht im Moment ein typischer Schultag aus?

Wir haben einen ganz normalen Stundenplan, der allerdings mit Arbeitsaufträgen gefüllt ist. Unsere Fachdozentinnen und -dozenten laden Präsentationen hoch und wir können diese dann bearbeiten und damit lernen. Im Homeoffice braucht es viel Selbstdisziplin.

Wie hast du deinen Praxiseinsatz während der Corona-Krise erlebt?

Ich wurde im Februar und März in der Hämatologie, Onkologie und Infektiologie eingesetzt und habe den Beginn der Krise miterlebt. Es war eine herausfordernde Situation, gerade durch die Unsicherheit der Patientinnen und Patienten und wegen der vielen neuen Hygienevorschriften, die sich immer wieder geändert haben. Meine Aufgabe war es, wie sonst auch, die Patienten zu pflegen. Wir Azubis und dual Studierende sollten jedoch keinen direkten Kontakt zu SARS-CoV-2 positiven Patienten haben. Da unsere Station in positiv und negativ getestete Patienten aufgeteilt wurde, hat auch das Team versucht sich aufzuteilen. Das fiel schwer, da wir dadurch getrennte Übergaben, getrennte Pausen und getrennte Visiten durchführen mussten. Das Stationsteam hat trotz Stress versucht, für mich und die anderen Azubis da zu sein. Wir wurden weiterhin angeleitet und alle haben darauf geachtet, dass wir pünktlich nach Hause gehen konnten.

Wo wird dein nächster Praxiseinsatz sein?

Mein nächster Praxiseinsatz ist in der Psychiatrie. Dieser Einsatz ist für mich besonders spannend, da er ganz anders ist als die Einsätze bisher. Ich bin neugierig, ob die Einschränkungen, die die Corona-Pandemie mit sich bringt, Einfluss auf den Verlauf mentaler Krankheiten haben.

Hast du zwischendrin auch mal an deiner Berufswahl gezweifelt?

Nein, ehrlich gesagt gibt mir die Pflege viel mehr als ich je erwartet hätte. Fast alle Patientinnen und Patienten, die ich betreut und begleitet habe, haben ihre eigenen Geschichten und obwohl einige viel durchmachen müssen, bekommt man sehr viel zurück. Es ist nicht immer einfach nach dem Dienst abzuschalten, da man oft mit schweren Schicksalsschlägen konfrontiert wird. Mir hilft es, mich mit meinen Freunden aus dem Ausbildungskurs auszutauschen.

Wie ist die Stimmung in deinem Kurs?

Gespalten, viele sind aufgeregt wegen der Examensprüfungen und auch unsicher wie sehr die letzten Wochen unser Examen im Endeffekt beeinflussen. Natürlich darf man die Sorgen um unsere Eltern und Großeltern auch nicht vergessen. Unseren Lehrkräften geht es genauso. Wir sehen sie wahrscheinlich erst wieder bei den Prüfungen und hoffen, dass wir unseren Abschluss im September gebührend feiern können.

Was würdest du den Menschen da draußen gerne sagen?

In dieser Zeit konnte und musste ich verschiedene Seiten durchleben. Es ist nicht einfach, zu Hause zu bleiben und niemanden zu sehen. Es ist nicht einfach, unsere Angehörigen nicht im Krankenhaus besuchen zu dürfen und es ist nicht einfach, sich nicht verabschieden zu dürfen. Aber noch viel schwieriger wäre es, einen Virus zu bekämpfen, wenn alle ganz normal weiterleben. Es kann jeden von uns treffen, deshalb seid nicht leichtsinnig und schützt euch und alle um euch herum.

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