Einblicke von Ina Gelhaar

Ina Gelhaar ist 26 Jahre alt und sorgt als stellvertretende Pflegeteamleitung in der Hämatoonkologie/Infektiologie dafür, dass ihre Kolleginnen und Kollegen gut geschützt sind und alle Corona-Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt werden. Menschen durch schwere Zeiten zu begleiten und ihnen etwas Gutes zu tun, motiviert sie jeden Tag aufs Neue.

Ina Gelhaar, Pflegeteamleiterin in der Hämatoonkologie und Infektiologie

Warum haben Sie sich für die Onkologie/Infektiologie entschieden?

In meinem Bereich liegt der Fokus in der Patientenbetreuung ganz klar auch in der Kommunikation. Alle Berufsgruppen sind voneinander abhängig und aufeinander angewiesen und das ist das Schöne an der Arbeit. Außerdem möchte ich nicht jeden Tag neue Gesichter sehen, sondern schwerkranke Patienten in ihrer individuellen Situation langfristig begleiten. Oft fehlen einem die Worte, aber man entwickelt sich weiter, lernt, und kann Menschen etwas Gutes tun. Wenn eine Patientin oder ein Patient nach Monaten bei uns nach Hause gehen kann, ist das immer wieder ein unbezahlbarer Moment, der mich mit Demut und Dankbarkeit erfüllt.

Worauf kommt es in Ihrem Job an?

Teamzusammenhalt bedeutet alles. Besonders jetzt. Zu wissen, dass man sich auch in so einer Krise auf das gesamte Team verlassen kann, ist unbezahlbar. Jeder weiß einfach, wie der andere sich fühlt, besser als Außenstehende das je nachempfinden könnten. Natürlich ist man auch mal angespannt, aber wir unterstützen uns gegenseitig, indem wir unsere Arbeit besonnen durchführen, ganz viel miteinander reden und auf den Schutz von allen achten.

Wie haben Sie die letzten Wochen erlebt?

Das Leben ist natürlich durch die Einschränkungen geprägt. Urlaube wurden verschoben, Feste abgesagt. Man darf sich nicht treffen. Einfach in den Park setzen möchte man sich auch nicht, man könnte ja ein Risiko darstellen. Auf der Arbeit hat man die Möglichkeit, sich darüber mit seinen Kollegen auszutauschen.

Ein typischer Arbeitstag – wie sieht der momentan bei Ihnen aus?

Mein Arbeitstag als stellvertretende Teamleitung beginnt damit, dass ich mich vergewissere, dass es allen Kolleginnen und Kollegen gut geht und die Besetzung ausreichend ist. Dann kontrolliere ich unsere Bestände von Schutzmaterialien, die wir momentan hinter verschlossenen Türen lagern. Es folgt die Bestellung von Materialien, die fehlen. Ich bespreche mich mit unseren beiden Ärzte-Teams und unserem Case Management, um Aufnahmen und Entlassungen abzuklären und möglicherweise zu intervenieren. Im Tagesverlauf prüfe ich, ob alle Maßnahmen, die wir wegen des Virus ergriffen haben, wie Abstriche und Isolationsmaßnahmen, auf dem aktuellen Stand sind.

Mit welchen Herausforderungen müssen Sie umgehen?

Eine große Herausforderung ist, dass sich die Situation im Klinikum und auf der Station so rasant von Tag zu Tag verändert, dass man gar nicht mehr hinterher kommt. Wir als Leitungsteam beschäftigen uns zurzeit kaum mit dem normalen Tagesgeschäft. Alle sind vorsichtiger und ängstlicher. Wir tragen rund um die Uhr auf dem gesamten Klinikgelände einen Mundschutz, was nicht gerade komfortabel ist. Außerdem müssen natürlich auch wir Kollegen Abstand halten und können gerade keine gemeinsamen Pausen machen.

Was motiviert Sie, jeden Tag weiterzumachen?

Man legt einen Schalter um und funktioniert, so läuft das eben in einer Krise, denkt man sich. Eigentlich bin ich froh, dass ich gerade in dieser Situation etwas Positives beitragen kann. Man hat einfach die Gewissheit, dass man, egal in welcher gesundheitlichen Krise, für die Gesellschaft da ist. Natürlich schöpft man auch Energie aus der Anerkennung von anderen.

Was würden Sie den Menschen da draußen gerne sagen?

Ich würde mir wünschen, dass vor allem jüngere Menschen verstehen, dass es primär darum geht, Alte und Kranke zu schützen, die auf unser verantwortungsvolles Handeln angewiesen sind. Es gibt genug Platz, wir müssen uns nicht alle auf die gleiche Wiese setzen. Und wenn ihr es doch tut, dann seid wenigstens so gut und besucht eure Großeltern nicht. Natürlich wünsche ich mir auch, dass allen »systemrelevanten« Berufen in Zukunft mehr Aufmerksamkeit, Anerkennung und finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden.

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