Einblicke von Jason Weidenmann

Jason Weidenmann ist 27 Jahre alt und Gesundheits- und Krankenpfleger mit einem Bachelor-Abschluss für angewandte Gesundheitswissenschaften für Pflege und Geburtshilfe. Er ist von Stuttgart nach Köln gezogen, um sich an der Uniklinik in der Orthopädie und Unfallchirurgie neuen Herausforderungen zu stellen. Aktuell ist er nicht nur stellvertretender Teamleiter der Station, sondern auch für die Versorgung von COVID-19 Patienten auf der Normalstation verantwortlich.

Jason Weidenmann, stellvertretender Pflegeteamleiter in der Orthopädie und Unfallchirurgie

In welchem Bereich arbeiten Sie bei uns?

Ich arbeite seit September 2018 an der Uniklinik in der Orthopädie und Unfallchirurgie, seit Februar 2019 als stellvertretende Teamleitung. Bereits in Stuttgart habe ich unfallchirurgische Patienten betreut und dadurch mein Interesse für den Fachbereich entdeckt. Da ich in einem vergleichsweise kleinen Krankenhaus meine Ausbildung absolviert habe, war mir nicht bewusst wie vielseitig und aufregend der Fachbereich der Orthopädie und Unfallchirurgie sein kann. Dies durfte ich erst an der Uniklinik erfahren. Kein Tag ist gleich, es gibt immer etwas Neues.

Was zeichnet Ihrer Meinung nach die Arbeit in der Pflege aus?

Für mich ist die Arbeit in der Pflege mehr als nur waschen und sauber machen. Unsere Arbeit ist wahnsinnig vielschichtig und so viel mehr. Pflege ist eine Profession und sollte auch so angesehen werden. Noch wichtiger als die gesellschaftliche Anerkennung ist mir, dass wir Pflegende uns nicht klein machen und als einen relevanten, wichtigen Teil des Gesundheitssystems begreifen.

Wie unterstützen Sie sich gegenseitig im Team?

Wir werden täglich mit vielen unterschiedlichen Situationen konfrontiert, die wir nur bedingt alleine bewältigen können. Deshalb ist es wichtig jemanden zu haben, der einen unterstützt. Ich vertraue meinen Kollegen und weiß, ich kann mich auf jeden einzelnen verlassen. Die aktuelle Lage fordert viel Kraft und wir versuchen uns mit netten Gesten oder Zuspruch zu unterstützen. Oft sind es die kleinen Dinge, wie gemeinsam über die Situation zu sprechen oder einfach mal für einen Moment abzuschalten und fünf Minuten Quatsch zu machen, die unseren Zusammenhalt festigen.

Wie erleben Sie die veränderte Situation gerade?

Ich selbst erlebe die Zeit als sehr nervenaufreibend und als Herausforderung. Wir stehen gemeinsam vor einer Situation, die wir so bisher nicht erlebt haben. Beruflich mache ich mir weniger Sorgen als privat. Ich weiß, dass ich hier an der Uniklinik sicher bin und dafür gesorgt wird, dass das auch so bleibt. Privat sorge ich mich um die Sicherheit meiner Familie und Freunde und fühle mich oft etwas hilflos, da ich aus dieser großen Entfernung nur wenig Möglichkeiten habe, sie zu unterstützen. Dennoch gebe ich mir Mühe, ihnen mit meinen Erfahrungen und meinem Wissen beizustehen. 

Was waren Ihre größten Herausforderungen bisher?

Ich musste binnen kürzester Zeit gemeinsam mit meiner Teamleitung unsere Station für COVID-19 Patienten vorbereiten und Mitarbeiter akquirieren und schulen. Das hat uns beiden viel abverlangt. Mit Hilfe von anderen Kolleginnen und Kollegen konnten wir dies jedoch ganz gut meistern und haben viel dazu gelernt. Für diese Hilfe und Erfahrung bin ich im Nachhinein sehr dankbar.

Gibt es im Moment noch einen Arbeitsalltag?

Einen klassischen Arbeitsalltag gibt es bei mir nicht. Unser Leitungsteam wurde ausgewählt, sich um die Versorgung der an Corona erkrankten Patienten auf unserer Station zu kümmern. Gleichzeitig leiten wir noch die Orthopädie und Unfallchirurgie. Neben den typischen Führungsaufgaben sorge ich dafür, dass meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gut geschult sind im Umgang mit der Schutzausrüstung und jegliche Unterstützung erhalten, die sie benötigen. Viele neue Kollegen sind dazu gestoßen. Das hat viel Geduld und Energie gefordert, aber nach einiger Zeit hat sich die Zusammenarbeit sehr gut eingespielt. Dafür bin ich auf jeden einzelnen sehr stolz.

Was hat Sie in letzter Zeit positiv überrascht?

Der wahnsinnig tolle Teamgeist und die sofortige Hilfe durch andere Kolleginnen und Kollegen. So viele Mitarbeiter haben in kurzer Zeit ihre Unterstützung angeboten, das war wirklich unglaublich. Das hat mich noch einmal in meiner Arbeit als Gesundheit- und Krankenpfleger bestärkt und gezeigt, dass wir diese Situation meistern können. Meine Kollegen spornen mich jeden Tag an, weiterzumachen.

Was möchten Sie den Menschen da draußen mit auf den Weg geben?

Was ich gelernt habe ist, dass keiner alleine ist. Wir erleben diese Pandemie gemeinsam und können sie auch nur gemeinsam bewältigen. Auch wenn sie uns augenscheinlich durch Maßnahmen wie die Kontaktsperre erst einmal auseinandertreibt, führt sie uns auch wieder zusammen und stärkt den Teamgeist. Ich wünsche mir, dass wir bald zurückkehren können zur Normalität und dieser Zusammenhalt auch weiter bestehen bleibt.

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