Einblicke von Philippe Valentin

Philippe Valentin ist 41 Jahre alt, Fachgesundheits- und Krankenpfleger für Anästhesie, Intensiv- und Notfallpflege. Der gebürtige Kölner, der sich seit vielen Jahren weltweit in der medizinischen Entwicklungshilfe engagiert, ist begeistert von dem kollegialen Gefühl, das in der Pandemie zwischen allen Bereichen spürbar ist. Er leitet aktuell nicht nur das Pflegeteam der Zentralen Notaufnahme und Notaufnahmestation, sondern auch das Team des Infektionsschutzzentrums.

Philippe Valentin, Pflegeteamleiter in Notaufnahme und Infektionsschutzzentrum

Was zeichnet Ihr berufliches Umfeld an der Uniklinik aus?

Die Uniklinik ist meine berufliche Heimat, mir gefallen die Entwicklungsmöglichkeiten. Die Balance zwischen Anforderungen und Möglichkeiten habe ich immer als fair empfunden, das ist mir sehr wichtig. Wenn man viel möglich macht, wird einem selbst auch viel ermöglicht.

Warum haben Sie sich für die Intensivpflege entschieden?

Meine Entscheidung für die Intensivpflege fiel aus dem Wunsch, sicher und kompetent auf Notfallsituationen reagieren zu können. Ich habe es als große Herausforderung erlebt, mich umfassend um wenige Patientinnen und Patienten und Angehörige in ihren Extremsituationen zu kümmern. Später in meiner Berufslaufbahn kam mit der Tätigkeit als Teamleiter die Organisation des Pflegeteams in der Notaufnahme hinzu.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aktuell aus?

Fast jeder Tag bietet Überraschungen. Meine Hauptaufgaben sind Organisation, Personalführung und Konzepte zu entwickeln, wie wir die stetig wechselnden Anforderungen erfüllen. Der direkte Patientenkontakt ist im Moment weniger geworden, stattdessen hat sich mein direkter Kollegenkreis um viele Abteilungen und Berufsgruppen erweitert.

Wie unterstützen sich die Kollegen gegenseitig?

Die Mitarbeiter in meinem Team zeigen eine große Bereitschaft den Laden am Laufen zu halten. Sie sind kreativ und teilen mir gute Ideen mit. Der Teamzusammenhalt ist aus meiner Sicht existenziell wichtig, um Belastungsspitzen gemeinsam durchstehen zu können. Das betrifft mein Team in der Notaufnahme ebenso wie die Leitungsteams der Intensivstationen. In einem funktionierenden Team werden auch in Zeiten hoher Anforderungen Phasen der Entlastung für jeden Einzelnen geschaffen.

Welche Gedanken gehen Ihnen in der aktuellen Situation durch den Kopf?

Ich frage mich, ob der Zeitpunkt irgendwann kommt, an dem wir zurückblicken und sagen können »Es ist vorbei!« oder ob wir lernen müssen, mit einer veränderten und eingeschränkten Welt zu leben. Während meines Einsatzes in der westafrikanischen Ebolakrise gab es so einen Zeitpunkt. Die Infektionsketten waren durchbrochen und die Krankheit vorerst besiegt. Dieses ausgelassene Gefühl würde ich mir für die derzeitige Lage wünschen.

Was würden Sie den Menschen da draußen gerne mit auf den Weg geben?

Bitte nennt uns nicht Helden und vergesst uns dann, wenn ihr uns nicht mehr braucht. Wir brauchen keine Kriegsrhetorik in schlechten Zeiten, keine übertriebene Verehrung und erst recht kein Mitleid, denn wir tun das, was wir gelernt haben und lernen wollten. Wir brauchen Respekt wie alle anderen Berufstätigen, die ihre Aufgaben erfüllen.

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