Im Interview mit Dr. Barbara Strohbücker

Woran arbeiten eigentlich Pflegewissenschaftler an der Uniklinik Köln? Im Interview erzählt die 56-Jährige Dr. Barbara Strohbücker, die als erste Pflegewissenschaftlerin an der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln einen Doktortitel erworben hat, von ihren Tätigkeiten und wie sie damit die Zukunft der Pflege gestalten möchte.

Wie haben Sie zu Ihrem heutigen Beruf gefunden?

Als ich elf Jahre alt war, kam mein Bruder in einem Krankenhaus in Neuss zur Welt. Mir gefiel es im Krankenhaus so gut, dass ich von diesem Tag an Kinderkrankenschwester werden wollte. Später habe ich keinen entsprechenden Ausbildungsplatz bekommen und mich für die Erwachsenenpflege entschieden. Das habe ich nie bereut.  

Welche Ausbildung haben Sie absolviert? 

Ich habe eine Ausbildung zur Krankenschwester an der Uniklinik Marburg absolviert. Später habe ich an der Uniklinik Köln Weiterbildungen in der Onkologischen Pflege, zur Leitung einer Station und als Pflegeberaterin absolviert. Von 1996 bis 2001 habe ich an der Uni Witten/Herdecke Pflegewissenschaft studiert und 2011 an der Uniklinik Köln am Zentrum für Palliativmedizin promoviert.

Was gehört zu Ihren täglichen Aufgaben? 

Meine Hauptaufgabe besteht darin, die Pflegepraxis weiterzuentwickeln. Ich sorge dafür, dass neue Erkenntnisse aus der Forschung beim Patienten ankommen. Dabei arbeite ich auf konzeptioneller Ebene. Zuletzt habe ich einen Projektplan erstellt, um die Sterbebegleitung an der Uniklinik Köln zu verbessern. 

Außerdem habe ich gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen den neuen dualen Studiengang »Klinische Pflege« entwickelt. Pflegende lernen hier, bei täglichen Entscheidungen auf aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung zurückzugreifen. So können wir die Patientensicherheit und die Lebensqualität weiter steigern. Zudem stehen wir vor der Herausforderung, studiertes Pflegefachpersonal noch besser in die Praxis zu integrieren.

Seit wann arbeiten Sie an der Uniklinik Köln? 

Ich arbeite seit dreißig Jahren an der Uniklinik Köln. Von der Arbeit auf meiner ersten Station - der 13 D in der Medizin I - war ich sofort begeistert. Das Pflegekonzept hat mich überzeugt: Denn schon damals stand der Patient im Mittelpunkt. 

Welche Geschichte ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

Als ich noch Stationsschwester war, hatten wir eine rumänische Patientin, die kaum deutsch sprach. Ihr ging es schlecht, sie brauchte unbedingt einen Harnwegskatheter, lehnte dies aber strikt ab. Wir suchten einen Weg, sie zu überzeugen. Dann fiel uns ihr Sohn ein, ein Opernsänger. Wir baten ihn, am Bett der Mutter zu singen. Er schmetterte los und sie fasste Vertrauen – und wir durften den Katheter legen. 

Was ist das Besondere, an der Uniklinik Köln zu arbeiten? 

Hier habe ich die Möglichkeit, die Zukunft der Pflege mitzugestalten, gemeinsam mit tollen, einfallsreichen Kolleginnen und Kollegen. Auch die Vielfalt der Aufgaben schätze ich hier. Immer wieder kann ich mich mit neuen, interessanten Themen beschäftigen. 

Welche Stärken sollten neue Kolleginnen oder Kollegen für die Pflegewissenschaft mitbringen? 

Für entscheidend halte ich es, eine Vision zu haben, wie man den Pflegeberuf weiterentwickeln kann und die Fähigkeit, Situationen kritisch zu hinterfragen und auch mal nach unkonventionellen Lösungen zu suchen.

Was ist Ihnen in Ihrem Leben wichtig? Welchen Hobbys gehen Sie nach?

Ich bin sehr naturverbunden, gehe gerne wandern. Große Freude bereitet mir das Gärtnern auf meiner kleinen Dachterrasse. Von Pflanzen kann ich viel lernen. Ich merke, was sie brauchen, um gut zu gedeihen. Ich finde es wichtig, ökologische Systeme im Gleichgewicht zu halten und nur so viel von der Natur zu nehmen wie auch nachwachsen kann. 

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