Im Interview mit Jana Frings

Jana Frings hat sich auf ihrem Weg zur Gesundheits- und Krankenpflegerin auf der Stroke Unit nicht nur auf fachlicher, sondern auch auf privater Ebene enorm weiterentwickelt. Wie genau und warum Sie sich selbst als Unikliniks-Kind bezeichnet, erzählt sie uns in diesem Interview. 

Schildern Sie doch mal, wie Sie zu ihrem Beruf gekommen sind.

Nach meinem Abitur habe ich eine Auszeit genommen, weil ich verschiedene Praktika machen wollte. Ich war unter anderem in einer Konditorei, aber auch in der Uniklinik, in der Anästhesie und auch in der Pathologie. Nachdem bei den Praktika irgendwie nicht so das Richtige für mich dabei war, habe ich mich schließlich sehr spontan dazu entschieden, noch ein Pflege-Praktikum zu machen. Das war auf der Stereotaxie. Da war für mich ziemlich schnell klar, dass ich mich in dem Beruf sehe. Die Praxis hat mich überzeugt. 2016 bis 2019 habe ich dann die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin in der Uniklinik Köln gemacht. Im April 2019 habe ich auf der Stroke Unit angefangen, wo wir uns hauptsächlich mit der akuten Schlaganfall-Versorgung beschäftigen. Ich bin ein Unikliniks-Kind, sag ich immer.

Haben Sie sich danach noch weitergebildet?

Nach meinem Examen habe ich noch die Stroke Unit Fachweiterbildung abgeschlossen, die ein halbes Jahr dauerte. Ich schließe auch nicht aus, in Zukunft noch mehr Fort- oder Weiterbildungen zu machen. Es gibt noch so viele zum Teil auch kürzere Fortbildungen vom Hygiene-Fachberater bis hin zur Schmerz- oder Wundexpertin. Im Intensiv-Bereich gibt es noch die Fachweiterbildung Intensivpflege und Anästhesie, die über zwei Jahre geht. Es gibt hier wirklich viele Möglichkeiten, sich weiterzubilden. So schaffen wir es auch, die sehr hohe Pflegequalität in unserem Team dauerhaft aufrechtzuerhalten. Wir versuchen pflegerisch alle immer unseren bestmöglichen Teil beizutragen. Da motivieren uns auch gegenseitig. 

„Die Uniklinik ist in meinen Augen ein außergewöhnlicher Arbeitgeber, weil allein schon durch die Größe wahnsinnig viele Menschen und Berufsgruppen aufeinandertreffen. Wir haben sämtliche Nationalitäten vertreten, total unterschiedliche Charaktere. Durch die ganzen verschiedenen Berufsgruppen treffen viele Leute mit ganz unterschiedlichen Backgrounds aufeinander. Trotzdem ist man untereinander vernetzt, dadurch läuft Vieles gut und Hand in Hand.“

Was begeistert Sie an ihrem Beruf auf der Stroke Unit?

Die Vielfältigkeit. Wenn man mit Menschen arbeitet, dann ist kein Tag wie der andere. Zum anderen ist es so, dass wir in der akuten Schlaganfall-Versorgung häufig auch junge Patienten haben. Dass wir mit der Akut-Versorgung und mit unseren Pflegetätigkeiten dazu beitragen können, diesen Menschen wieder auf die Beine zu helfen und zu sehen, wie sie Fortschritte machen, das ist natürlich besonders schön. Bei einer so einschneidenden Diagnose, wie einem Schlaganfall, ist es sinnstiftend, ein kompetenter Ansprechpartner und für Menschen da zu sein.

Gibt es ein Erlebnis auf Station, an das Sie sich gerne erinnern?

Wir hatten einmal eine Patientin bei uns, die vorher schon sehr lange auf der Intensivstation gelegen hatte. Sie war sehr schwer betroffen und hatte ein Stoma, sämtliche Zu- und Ableitungen waren beeinträchtigt. Sie lag lange bei uns, wechselte zwischendurch noch mal auf die Intensiv und wieder zurück. Weil es sich so lange hinzog, dachten wir irgendwann, dass es keine Fortschritte mehr geben würde. Schließlich wurde sie auf die Reha verlegt. Mehrere Monate später kam sie im Rollstuhl und ohne Stoma mit ihrem Mann zu uns auf die Station, um sich für alles zu bedanken. Das war sehr bewegend. 

„Die Neurologie finde ich total faszinierend. Erkrankungen des Gehirns können schwerwiegende Einschränkungen auslösen, die man zwar nicht rückgängig machen, wo man aber so gut es geht die Funktion wiederherstellen kann. Das habe ich bisher in keinem anderen Fachbereich so erlebt wie in der Neurologie, vor allem nicht, dass die Pflege so einen großen Teil dazu beitragen kann.“

Haben Sie sich durch ihren Beruf persönlich weiterentwickelt?

Die Begleitung von Patienten, die schwer erkrankt oder vielleicht sogar im Sterbeprozess sind, ist eine große Herausforderung und erfordert auch besondere kommunikative Fähigkeiten. Während der Schulzeit war ich eher schüchtern. Wenn ich jetzt mit Freunden unterwegs bin, bin ich oft die Kommunikativste von uns. Ich kann offen auf andere zugehen und es fällt mir überhaupt nicht mehr schwer, ins Gespräch zu kommen, weil das mein täglich Brot ist. In solchen Situationen fällt mir immer wieder auf, wie sehr ich mich durch meinen Beruf weiterentwickelt habe.

Wieviel Köln steckt in der Uniklinik?

Wenn Karneval ist, dekorieren wir zum Beispiel die Station ganz gern, das finde ich irgendwie schön, weil Karneval einfach zu Köln dazugehört. Da kann es auch schon mal passieren, dass man jemanden im Kostüm aufnimmt oder pflegt, das erlebt man wohl nur hier.

Was sollten zukünftige Kolleginnen und Kollegen mitbringen?

In allererster Linie ist es wichtig, Respekt davor zu haben, dass man auf einer Monitor-Station arbeitet, auch mit kritischen oder schwerkranken Patienten. Aber auch nicht zu viel Respekt oder Angst. Das sind alles Sachen, die man gut lernen kann. Ein Grundinteresse an Neurologie oder neurologischen Krankheitsbildern sollten ebenfalls vorhanden sein. Genauso wie Flexibilität. Es gibt Stationen, auf denen man seinen Pflegeplan strikt durchziehen kann. Das ist bei uns in der Regel nicht der Fall. Man muss immer darauf gefasst sein, dass eine neue Aufnahme kommt. 

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