Antimicrobial Stewardship ABS

Die Abkürzung ABS steht für „Antimicrobial Stewardship“, darunter versteht man den verantwortungsvollen oder vorbildlichen Umgang mit antimikrobiellen Wirkstoffen. ABS-Programme im Krankenhaus sollen die Verordnungsqualität in Bezug auf die Auswahl der antimikrobiellen Substanzen, die Dosierung, die Applikation und die Therapiedauer verbessern. Patienten profitieren dadurch, dass so Nebenwirkungen vermieden, Infektionen effektiver behandelt und die Gefahr der Ausbreitung typischer Erreger von Krankenhausinfektionen verringert wird. Voraussetzung für den Erfolg von ABS-Programmen ist eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit.

An der Uniklinik Köln gibt seit 2014 ein festes ABS-Team mit Vertretern aus der Infektiologie, der Apotheke, der Krankenhaushygiene, der Mikrobiologie und der operativen Medizin. Dieses Team überwacht abteilungsübergreifend der Verbrauch von Antiinfektiva und die Ausbreitung multiresistenter Erreger. In regelmäßigen Untersuchungen wird die Verordnungsqualität in den Abteilungen überprüft und gegebenenfalls gemeinsam mit den Fachvertretern an Leitlinien gearbeitet. Das ABS-Team stellt außerdem Schulungsmaterialien zur Verfügung und beschäftigt sich mit den immer wieder auftretenden Lieferengpässen von Antibiotika.

Maßnahmen

Analyse von lokalen Antibiotikaverbrauchs- und Resistenzstatistiken

Eine wichtige Grundlage der Arbeit des ABS-Teams sind die Antibiotika-Verbrauchsstatistik und die Resistenzstatistik. Die Experten beobachten den zeitlichen Verlauf und nehmen eine erste Einschätzung vor, wo sich Resistenzen oder der vermehrte Einsatz sogenannter „Reserveantibiotika“ häufen. Bei Auffälligkeiten analysiert das ABS-Team die Verordnungen und überprüft stichprobenartig die Antibiotikaverordnungen in einer Abteilung. Die gewonnenen Erkenntnisse werden mit den Abteilungsärzten offen diskutiert und es wird gemeinsam überlegt, ob und wo Handlungsbedarf besteht. Hier unterstützt das ABS-Team bei der Erstellung abteilungsspezifischer Leitlinien und schult das Personal in deren Umsetzung.

Erklärvideo des Universitätsklinikums Jena

Entwicklung und Implementierung lokaler Behandlungsleitpfade

Eine der Kernaufgaben des ABS besteht in der Entwicklung und Implementierung lokaler Behandlungspfade. Ziel ist es, auf Grundlage von klinischen, mikrobiologischen und anderen diagnostischen Befunden eine gezielte antimikrobielle Therapie durchzuführen und den nicht indizierten Einsatz von Antibiotika zu vermeiden. Vor diesem Hintergrund hat das ABS-Team der Uniklinik Köln, gemeinsam mit der Herzchirurgie, einen Behandlungspfad zur postoperativen Inflammation nach Herz-Thorax-Chirurgie entwickelt. Hiermit soll eine gezielte Therapie auf der Basis mikrobiologischer Diagnostik gefördert, der Einsatz von Breitspektrumantibiotika fokussiert und Antibiotikatherapien möglichst kurz und sicher gestaltet werden. Der Behandlungspfad steht allen Mitarbeitern über das im Intranet erreichbare Antibiotika-Buch der Uniklinik Köln zur Verfügung.

Wissenschaftliche Aktivitäten

Neben der Analyse lokaler Antibiotikaverbrauchs- und Resistenzraten und der Entwicklung lokaler Behandlungsleitlinien führt das ABS-Team wissenschaftliche Erhebungen zum Einsatz von Antibiotika und dessen Auswirkungen auf Krankenhaus-assoziierte Infektionen durch. Die aus Köln koordinierte, multizentrische ABSOLUTE-Studie (Antibiotic Stewardship and Infection Control in Patients at High Risk of Developing Infection by Clostridium difficile, Vancomycin-resistant Enterococci or Multidrug-resistant Gram-Negatives) untersucht den Einfluss von verbesserten Hygienemaßnahmen in Kombination mit gezieltem Antibiotikaeinsatz auf das Auftreten von Clostridium difficile assoziierten Infektionen und Infektionen durch andere Gram-negative multiresistente Erreger. Die Studie läuft seit Ende 2016 und wird an insgesamt fünf deutschen Universitätskliniken durchgeführt. 

Univ.-Prof. Dr. Harald Seifert

Univ.-Prof. Dr. Harald Seifert

Gesamtleitung und Sprecher des ABS Teams
Facharzt für Medizinische Mikrobiologie
Facharzt für Innere Medizin, Zusatzbezeichnung Infektiologie

Univ.-Prof. Dr. Jörg Janne Vehreschild

Univ.-Prof. Dr. Jörg Janne Vehreschild

Wissenschaftlicher Leiter ABS Team | FECMM

Facharzt für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie, Zusatzbezeichnung Infektiologie

Dr. Andrea Liekweg

Dr. Andrea Liekweg

Leiterin Krankenhausapotheke
Fachapothekerin für Arzneimittelinformation und geriatrische Pharmazie, ABS Expertin DGI

Dr. Janine Zweigner

Dr. Janine Zweigner

Leiterin Zentrale Krankenhaushygiene
Fachärztin für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene
Fachärztin für Hygiene und Umweltmedizin

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