13.03.2019
Veranstaltung

Forschung stärkt Praxis – Fokus Patient

2. Kongress Klinische Pflege ein voller Erfolg

Pflegekongress 2019 stieß auf großes Interesse, Foto: Uniklinik Köln
Pflegekongress 2019 stieß auf großes Interesse, Foto: Uniklinik Köln

Mitte Februar hat die Pflegedirektion der Uniklinik Köln den zweiten Kongress Klinische Pflege „Forschung stärkt Praxis – Fokus Patient” mit über 170 Teilnehmern veranstaltet. „Der Pflegeberuf ist verantwortungsvoll und dazu abwechslungsreich wie nie”, sagt Vera Lux, Pflegedirektorin im Vorstand der Uniklinik Köln. „Es gibt heute zahlreiche berufliche Möglichkeiten. Die fortschreitende Pflegewissenschaft und zunehmende Akademisierung forcieren die dynamische Entwicklung. Es freut mich besonders, dass die Hinwendung zum Patienten als ein Schwerpunkt wissenschaftlich herausgearbeitet wird.“ Workshops boten Gelegenheit, wissenschaftliche Methoden sowie den Praxistransfer kennenlernen und aktiv mitzuarbeiten. Lebhafte Diskussionen sorgten für einen inspirierenden Tag.

Den besonderen Beitrag der Pflege in der gesundheitlichen Versorgung stellte Prof. Dr. Giovanni Maio vom Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der Universität Freiburg gleich zu Beginn heraus und legte damit die Basis für die inhaltliche Ausrichtung der Veranstaltung. Pflege erschließe durch gelingende Interaktion komplexe Situationen und die individuellen Bedürfnisse der Patienten. Sie müsse ihr Handeln immer wieder anpassen und mit unvorhersehbaren, unkontrollierbaren Ereignissen umgehen – so entziehe sie sich einer ökonomischen Logik. „Pflege steht quer zu unserer Zeit“, so Maio. In einer Welt, in der nur Messbares gültig sei, werde die Pflege unsichtbar. Daher verwundere es auch nicht, dass die Pflege jetzt auf die Straße geht. „Sie rebelliert gegen die Abwertung.“

Inwiefern Technik und IT helfen können, den Pflegeprozess zu unterstützen, diskutierte Dr. Regina Schmeer von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) mit den Kongressbesuchern. „Der Einsatz innovativer Technologien kann nur gelingen, wenn Pflegende in die Entwicklung unmittelbar einbezogen werden“, so Schmeer. Sie berichtete vom Projekt Pflegepraxiszentrum Hannover, das die Umgestaltung einer unfallchirurgischen Station als Station der Zukunft zum Ziel hat.

Von sektorenübergreifend tätigen Schlaganfall-Lotsen, die erweiterte pflegerische Aufgaben übernehmen, berichtete Dr. Georg Galle von der Stiftung Schlaganfall-Hilfe in Gütersloh. Das Projekt STROKE OWL richtet sich an Patienten und deren Angehörige, die oftmals überfordert seien, sich mit dieser Erkrankung selbstständig im Gesundheitssystem zurecht zu finden. Die Lotsen begleiten die Patienten über zwölf Monate von der Akutstation bis in die Nachsorge. Hierzu gehören Rehabesuche, Hausbesuche und regelmäßige Telefonkontakte. Die Lotsen beraten, vermitteln und koordinieren die Versorgung.

Dr. Lena Werdecker von der Universität Witten/Herdecke berichtete über ihre Forschungsarbeit zum Thema Advance Care Planning, der Vorausplanung im Verlauf schwerer Erkrankungen. Sie identifizierte unterschiedliche Präferenzmuster: so gab es Teilnehmer in ihrer Studie, denen es wichtig war, Entscheidungen für die Versorgung in der letzten Lebensphase selbst zu treffen – andere wiederum wollten dies nicht. Ihre Ergebnisse zeigten, wie wichtig die individuelle Patientenberatung und -aufklärung ist, denn die Entscheidung des Patienten folgt keinem einheitlichen Muster.

Zahlreiche Workshops boten die Gelegenheit, wissenschaftliche Methoden für den Praxistransfer kennenzulernen und aktiv mitzuarbeiten. Hierzu zählten die Einführung eines Journal Clubs (Dr. Claudia Stolle von der Universität Bremen und Evelyn Larisch), die Literaturrecherche (Dr. Martin Dichter vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen, Standort Witten sowie Universität zu Köln), der Einsatz von Videos für den Theorie-Praxis-Transfer praxisrelevanter Forschungsergebnisse (Dominik Bruch, Dominiks Pflegeuniversum, Bonn), die Analyse von unerwünschten Ereignissen (Lina Heier und Judith Hammerschmidt vom Institut für Patientensicherheit am Universitätsklinikum Bonn), Patient reported outcomes (Dr. Stefan Köberich vom Universitäts-Herzzentrum Freiburg/Bad Krozingen) sowie einer Anleitung zum Erkennen guter Gesundheitsinformationen (Dr. Cindy Scharrer und Stefanie Federhen vom Patienten-Informations-Zentrum der Uniklinik Köln).

Zum Abschluss zog Prof. Dr. Frank Weidner ein Resümee zur Entwicklung der Pflege. Als Erfolg stellte er den Aufbau von Strukturen zur Professionalisierung der Pflege heraus. Für die Integration akademisch ausgebildeter Pflegefachkräfte fehle es aber noch an Perspektiven. Umso wichtiger wären Leuchtturmprojekte, die den Weg für ein neues Selbstverständnis und einen Kulturwandel bereiten. Lebhafte Diskussionen sorgten für einen inspirierenden und spannenden Tag. Die Moderation des Tages übernahmen Katrin Nitsch vom Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil und Niklas Frücht vom Universitätsklinikum Münster.

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