Einblicke von Christine Baldamus

Christine Baldamus ist 33 Jahre alt und Fachgesundheits- und Krankenpflegerin für Intensivpflege und Anästhesie. Sie betreut seit Beginn der Pandemie Patientinnen und Patienten, die schwer an Covid-19 erkrankt sind. Im Interview erzählt sie, wie sie und ihr Team diese Ausnahmesituation trotz großer Herausforderungen mit Kreativität und Teamgeist meistern.

Christine Baldamus, Fachgesundheits- und Krankenpflegerin für Intensivpflege und Anästhesie

Was genau machen Sie an der Uniklinik?

Ich habe meine Ausbildung an der Uniklinik absolviert und dann als Gesundheits- und Krankenpflegerin auf der internistischen Intensivstation angefangen. Kurz darauf habe ich die Weiterbildung zur Fachgesundheits- und Krankenpflegerin für Intensivpflege und Anästhesie absolviert. Seit letztem Jahr bin ich zusätzlich noch Praxisanleiterin. Die Uniklinik hat mir meine Weiterbildungen ermöglicht und mir jetzt Zeit für ein Studium eingeräumt. Seit diesem Jahr studiere ich berufsbegleitend Pflegewissenschaften

Was zeichnet die Pflege auf der Intensivstation aus?

Wir versorgen und unterstützen schwerkranke Patientinnen und Patienten. Wenn sie zu uns auf die Station kommen, geht es ihnen häufig schon so schlecht, dass sie bald künstlich beatmet oder sogar reanimiert werden müssen. Wir betreuen zudem auch die besorgten Angehörigen unserer beatmeten Patienten mit, die viele Fragen haben und häufig nicht wissen, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Wir versuchen Ihnen diese Ängste zu nehmen und sie mit in den Stationsalltag zu integrieren. Natürlich fühlt es sich besonders schön an, wenn man jemanden nach einem langen Aufenthalt wieder auf die Normalstation entlassen kann und so einen direkten Erfolg in seiner Arbeit sieht.

Wie hat sich Ihre Arbeit durch die steigenden Infektionszahlen verändert?

Viele Patienten sind so schwer an Covid-19 erkrankt, dass sie zusätzlich zu einer Beatmung eine Extrakorporale Lungenunterstützung (ECMO) benötigen. Zudem sind die meisten Patienten noch jung und nicht erheblich vorerkrankt. Durch das erhöhte Arbeitsaufkommen sind alle Kollegen gefordert, springen häufiger ein, um eine adäquate Besetzung aufrecht zu erhalten und die Patienten gut zu versorgen. Man kommt an seine Grenzen, aber auch jetzt ist der Zusammenhalt noch immer groß und alle Kollegen geben ihr Bestmögliches. Wir gehen alle Probleme mutig an und erfinden uns jeden Tag neu. In einer solchen Ausnahmesituation ist Kreativität und Teamgeist gefragt. Von beidem haben wir noch eine Menge zu bieten.

Wie funktioniert das Zusammenspiel im Team?

Auch wenn es stressig wird, muss man sich aufeinander verlassen können. Wenn eine Kollegin oder ein Kollege einen Patienten nicht mehr betreuen kann, übernimmt jemand anders die Pflege. Wenn ich Fragen habe, kann ich mich immer an mein Team wenden. Wir helfen uns gegenseitig so gut es geht und versuchen besonders auf unsere Auszubildenden und Berufseinsteiger Rücksicht zu nehmen, die weniger Erfahrung haben als wir. Das gleiche gilt auch für ältere Kollegen, die bestimmte Aufgaben wie die Reanimation nicht mehr übernehmen müssen, wenn sie das nicht möchten.

Was treibt Sie immer wieder an, weiterzumachen?

Ich habe das Glück, liebevolle Menschen um mich zu haben, die an mich glauben und mich aufbauen. Wenn ein Patient verstirbt, den ich lange betreut habe oder in meinem Alter ist oder mich an einen geliebten Menschen erinnert, dann kann es mich kurz aus der Bahn werfen. Dann geben mir meine Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit, mich kurz zurückzuziehen. Neue Energie schöpft man aus den positiven Erfahrungen auf Station. Auch, wenn es manchmal ganz kleine Dinge sind. Das Danke von einem Patienten oder wenn eine Patientin nach längerer Sedierung zum ersten Mal ihre Familie wiedersieht. Wenn man mit jemandem über den Flur laufen kann, der letzte Woche noch um sein Leben gekämpft hat.

Was würden Sie den Menschen da draußen gerne sagen?

An alle, die nicht in den Kliniken und an den Betten Hilfe leisten können: Bitte tragt eure Masken und haltet Abstand, auch wenn es schwerfällt. Denkt an eure Mitmenschen, denkt an uns. Wir brauchen wirklich eure Hilfe.

Nach oben scrollen