21.09.2012

20 Jahre „Frühchenstation“

Uniklinik Köln feiert Jubiläum des Perinatalzentrums

Obwohl die Geburtenrate in Deutschland sinkt, gibt es immer mehr sehr unreife Frühgeborene: Babys, die vor der 32. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen. An der Uniklinik Köln hat man sich vor zwanzig Jahren entschieden, mit einem der ersten Perinatalzentren in Nordrhein-Westfalen eine Wand-an- Wand-Lösung mit Geburtshilfe und Kinderklinik unter einem Dach zu schaffen.

Zum ersten Mal konnte so die vorgeburtliche Diagnostik, die Geburt des Kindes im Kreißsaal und die unmittelbare intensivmedizinische Versorgung des Kindes durch den Neonatologen interdisziplinär und in unmittelbarer Nachbarschaft erfolgen. So sind alle Experten und Räume, die vor und nach der Geburt (perinatal) benötigt werden in einem Gebäude gebündelt.Prof. Dr. Peter Mallmann, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Uniklinik Köln erinnert sich: „Im Jahr 1992 betrug die Sterblichkeit von frühgeborenen Kindern mit einen Geburtsgewicht von unter 2.500 Gramm noch knapp sechs Prozent. Damit war die Sterblichkeit eines Frühchens damals zehn Mal so hoch wie die Sterblichkeit der normalen Neugeborenen.“ Ein wesentlicher Grund für diese Zahlen waren deutschlandweit nicht medizinische Ursachen, sondern meist strukturelle und bauliche Probleme: „Damals kamen diese Kinder meistens in einem Kreißsaal zur Welt, der sich räumlich getrennt von einer Kinderklinik befand, so dass diese Kinder anschließend noch in eine Kinderklinik transportiert werdenmussten“, so Prof. Mallmann weiter. Dort, wo der Transport von solchen unreifen frühgeborenen Kindern heute noch vor kommt, besteht eine Gefahr für deren Gesundheit. „Es können hierbei schwerere Hirnblutungen, Unterkühlungen undInfektionen auftreten“, so Prof. Dr. Bernd Roth, Leiter Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin. Hinzu kommt, dass durch den Transport Mutter und Kind voneinander getrennt werden. „Das ist nach heutigem Stand der Wissenschaft unbedingt zu vermeiden. Denn die körperliche Nähe zur Mutter ist oft entscheidend für das Überleben des Kindes“, so Prof. Roth.1992 wurde das Perinatalzentrum zunächst mit sechs Intensivbetten eingerichtet, zwischenzeitlich wurden diese auf acht Betten erhöht. Seit 2011 stehen insgesamt elf Intensivplätze zur Verfügung. „Pro Jahr werden in der Uniklinik Köln insgesamt rund 600 Frühgeborene behandelt. Zwischen 90 und 120 von ihnen haben ein Geburtsgewicht von unter 1.500 Gramm. Dies bedeutet, dass alle drei bis vier Tagesolch ein sehr kleines Frühgeborenes bei uns versorgt wird. Damit liegt das Kölner Zentrum, was das zahlenmäßige Aufkommen an sehr kleinen Frühchen angeht, in der Spitzengruppe in Deutschland“, so Prof. Jörg Dötsch, Direktor Klinik und Poliklinik für Kinderheilkunde.Für das gesamte Perinatalzentrum der Uniklinik Köln steht eine Eltern- Kind-zentrierte, möglichst wenig invasive Frühgeborenen-Medizin im Vordergrund. Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass den Eltern und Angehörigen der direkte Kontakt zum Kind bereits kurz nach der Geburt ermöglicht wird. Ein zentrales Beispiel hierfür ist die sogenannte Känguruh-Pflege, bei der die Eltern einen möglichst frühzeitigen Haut-an-Haut-Kontakt mit ihrem Kind haben. In speziellen Liegestühlen können die Eltern ihre Kinder auf die nackte Brust legen und liebkosen. Gleichzeitig ist die medizinische Versorgung zu jedem Zeitpunkt gewährleistet. Es herrscht eine beruhigende, familiäre Atmosphäre.Zu diesem Pflege-Konzept wird derzeit eine wissenschaftliche Studie (Deisy-Studie) unter Leitung von Priv.-Doz. Dr. Angela Kribs durchgeführt. Bisherige Forschungsergebnisse zeigen, dass ein Mutter-Kind-Kontakt – unmittelbar nach Geburt initiiert – das Bindungsverhalten zwischen Mutter und Kind im Verlauf der frühen Kindheit positiv beeinflussen kann. In dem aktuellen Forschungsprojektwird untersucht, ob diese positiven Folgen auch bei sehr kleinen Frühgeborenen hergestellt werden können, ohne dass die notwendigen intensivmedizinischen Maßnahmen beeinträchtigt werden.Darüber hinaus besteht ein wissenschaftlicher Schwerpunkt in der Neonatologie in Arbeiten zur Beatmungsvermeidung bei frühgeborenen Kindern. „Es hat sich gezeigt, dass bereits die kurzzeitige Anwendung herkömmlicher Beatmungsverfahren bei sehr unreifen Frühgeborenen zu dauerhaften, irreparablen Lungenschäden führen kann. Durch die Entwicklung neuen Verfahren ist es uns inzahlreichen Fällen gelungen, die apparative Beatmung zu vermeiden und so langfristig höheren Erfolg bei der Lungenreifung der Kinder zu erreichen“, so Priv.-Doz. Kribs.Auch für die Zukunft steht für das Team des Perinatalzentrums vor allem die Eltern-Kind-Beziehung im Vordergrund. „Unser Ziel ist es, selbst bei noch intensiv-medizinisch behandelten Frühgeborenen, das enge und zeitlich nicht begrenzte Zusammensein von Eltern und Kind zu fördern“, so Prof. Roth. Ein Beispiel dafür ist die speziell ausgebildete Psychologin, die diese Entwicklung unterstützen soll. SeitAnfang September 2012 kümmert sie sich am Perinatalzentrum der Uniklinik Köln um die Betreuung der Eltern von „Frühcheneltern“.Anlässlich des Jubiläums findet am Samstag, den 22. September 2012, von 13:00 - 17:00 Uhr, ein Kinderfest zur Feier „20 Jahre Perinatalzentrum“ auf der Hörsaalebene des LFI, Gebäude 13, Kerpener Str. 62, 50931 Köln statt.Für Rückfragen:Christoph WankoPressesprecher Uniklinik KölnStabsabteilung Unternehmenskommunikation und MarketingTelefon: 0221 478-5548E-Mail: presse@uk-koeln.de

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