26.03.2019
Allgemein-, Viszeral- & Tumorchirurgie

BMBF bewilligt 1,9 Millionen Euro für internationale Studie

Tumore zwischen Speiseröhre und Magen: Auf der Suche nach der optimalen Operation

Prof. Dr. Christiane Bruns, Foto: Uniklinik Köln
Prof. Dr. Christiane Bruns, Foto: Uniklinik Köln

Die Behandlung von Tumoren im Bereich des Übergangs von Speiseröhre zu Magen (Cardia) stellt Chirurgen weltweit vor große Herausforderungen. Nach wie vor ist unklar, ob diese sogenannten Cardia-Tumoren eher zu den Speiseröhrentumoren oder zu den Magentumoren gehören. Um für diese Eingriffe die optimale operative Strategie zu finden, fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) nun eine internationale Studie unter Führung der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Tumorchirurgie der Uniklinik Köln mit einem Gesamtbudget von 1,9 Millionen Euro.

Cardia-Tumoren können zurzeit mit zwei unterschiedlichen Operationsverfahren behandelt werden. Entweder wird die Speiseröhre oder der Magen mit dem unteren Anteil der Speiseröhre entfernt. Ziel beider Operationen ist die vollständige Entfernung des Tumors. Die Verfahren unterscheiden sich durch die möglichen Komplikationen, die zu einer unterschiedlichen Lebensqualität im weiteren Verlauf nach der Operation führen. 

Bei der Speiseröhrenentfernung (Ösophagektomie) wird über einen Zugang über den Bauch- und über den Brustraum die Speiseröhre mit dem oberen Magenanteil und den umgebenden Lymphknoten entfernt. Um die Funktion der Speiseröhre zu ersetzen, wird aus dem Magen ein schlanker Schlauch gebildet und als Ersatzorgan in den Brustkorb hochgezogen. Bei der erweiterten Magenentfernung (transhiatal erweiterte Gastrektomie) wird der untere Speiseröhrenanteil und der gesamte Magen entfernt. Die Speiseröhre wird daraufhin mit dem Dünndarm verbunden. Beide Verfahren können offen oder in der sogenannten Schlüsselloch-Technik durchgeführt werden und ermöglichen eine vollständige Entfernung des Tumors. Sie sind allerdings mit unterschiedlichen Risiken und Komplikationen behaftet. Bisher konnte nicht wissenschaftlich erfasst werden, welche der beiden Operationen sich besser zur Behandlung der Übergangs-Tumoren eignet. Beide Operationen werden in den aktuellen Behandlungs-Leitlinien als gleichwertige Behandlungsmethoden empfohlen. Ziel der geplanten Studie ist es daher, die beiden Verfahren hinsichtlich der Heilungsraten und der resultierenden Lebensqualität zu vergleichen.

„Nur durch die koordinierte Forschung an achtzehn europäischen Studienzentren können wir auf Ergebnisse hoffen, welche die Behandlung der Patienten substantiell verbessern können und die Identifizierung einer optimalen operativen Strategie möglich machen“, sagt Studienleiterin Univ.-Prof. Dr. Christiane Bruns, Direktorin der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Tumorchirurgie der Uniklinik Köln. Erste Patienten sollen Mitte 2019 in die Studie eingeschlossen werden.

Unter der Führung der Klinik, die 2012 als erstes Exzellenzzentrum für die Chirurgie der Speiseröhre und des Magens anerkannt wurde, nehmen Zentren in ganz Europa an der Studie teil. Die Koordinierung dieser Zentren übernimmt die Uniklinik in Utrecht (Niederlande) unter der Leitung von Prof. Dr. Richard van Hillegersberg.

Die Studie bietet optimale Bedingungen für weitere Begleitprojekte: So soll neben dem primären Studienziel eine Biobank mit dem entsprechenden Gewebe dieser seltenen Tumoren aufgebaut werden. Dies eröffnet Möglichkeiten für zukünftige Studien zur personalisierten Therapie. Auch weitere moderne Techniken wie die Isolierung von Tumorzellen aus dem Blut („liquid biopsies“) und immunfluoreszierende Anfärbung von Lymphknotenmetastasen sollen an die Studie gekoppelt und an der Uniklinik Köln durchgeführt werden.

Fördernummer Cardia Trial: 01KG1816

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