10.11.2008

Hilfe für „schwere“ Herzen

Studie erforscht Zusammenhang zwischen Depression und koronarer Herzkrankheit

Eine Studie der Uniklinik Köln versucht, neue Behandlungsmöglichkeiten beim Zusammentreffen von Depression und koronarer Herzkrankheit (Herzkranz-gefäßverengung; Herzinfarkt) zu finden. Gefördert wird das Vorhaben mit rund einer Million Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Erste Patienten werden jetzt im Herbst 2008 in das Programm aufgenommen.

„Der Einfluss psychischer Faktoren auf die Herzgesundheit ist vielfältig“, erklärt Privatdozent Dr. Christian Albus, Leiter der Klinik und Poliklinik für Psychosomatik und Psychotherapie der Uniklinik Köln. Aus zahlreichen Studien wissen die Wissenschaftler bereits: Eine Depression erhöht das Risiko, eine koronare Herzkrankheit zu entwickeln. Und bei einer bestehenden Herzerkrankung können selbst leichtere depressive Verstimmungen die Aussicht auf Genesung verschlechtern. Eine kurzfristige Verhaltenstherapie wirkt bei depressiven Patienten mit koronarer Herzkrankheit kaum. Und: viele Antidepressiva können nicht eingesetzt werden, weil sie auf das Herz-Kreislauf-System starke Nebenwirkungen haben. „Dementsprechend kann beim momentanen Stand der Wissenschaft nicht beantwortet werden, welche Behandlung den Teufelskreis zwischen einer Depression und der Herz- erkrankung durchbrechen kann“, so PD Dr. Christian Albus.

Das Herzzentrum der Uniklinik Köln beteiligt sich an dieser Studie. Die Patienten, die befragt und später behandelt werden sollen, werden im Kölner Herzzentrum rekrutiert. Prof. Dr. Erland Erdmann, Vorstandssprecher des Herzzentrums der Uniklinik Köln, betont die Wichtigkeit der Studie: „Die koronare Herzkrankheit zählt zu den häufigsten Volkskrankheiten. Die Ergebnisse der Studie, die versuchen wird, die Wechselwirkung zwischen Seele und Gesundheit offen zu legen, werden von uns mit Spannung erwartet“. Besonders stark trifft es offenbar Menschen, die ihre Gefühle nicht mitteilen, sondern sie für sich behalten, so PD Dr. Christian Albus. Die neue Studie, die an mehreren Universitätsklinika in Deutschland betrieben wird, will für solche Menschen neue Behandlungsmöglichkeiten erforschen.

Die Studie soll gezielt Patienten helfen, die bereits eine koronare Herzerkrankung haben und unter depressiven Verstimmungen leiden, weil sie mit ihren negativen Gefühlen nicht gut umgehen können. Diese Patienten haben ein besonders hohes Risiko, eine Herzerkrankung zu entwickeln oder an ihren Folgen zu versterben. Als gefährdet gelten Herzpatienten, die typische Verhaltensweisen des sogenannten „Distressed Personality Type“ aufweisen. Typisch ist, dass sie vermehrt zu negativen Gefühlen neigen, wie Ärger, Niedergeschlagenheit oder Sorgen. Sie verstecken diese aber vor anderen Menschen, weil sie Hemmungen haben, sich mit anderen Menschen auszutauschen. Die Folge: Die seelischen Belastungen werden nicht ausreichend abgebaut. Und dies kann Herz und Seele krankmachen. „Wir nehmen an, dass solche tief liegenden Persönlichkeitsmerkmale die Entstehung einer Depression begünstigen und eine Genesung behindern“, sagt PD Dr. Christian Albus. Die Kölner Studie bietet deshalb ein gestuftes Therapieangebot an. Nach insgesamt drei Einzelgesprächen besteht die Möglichkeit, an einer Gruppentherapie teilzunehmen, in der die Patienten gezielt lernen sollen, ihre krankmachenden Muster zu durchbrechen. Inwieweit dieses Angebot besser ist als die bisherige Behandlung, versuchen die Forscher mit Hilfe einer Kontrollgruppe herauszufinden, die keine psychotherapeutische Betreuung erhält.

Die Studie wird insgesamt über fünf Jahre laufen und wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit zirka einer Million Euro gefördert. Die Studie wird von PD Dr. Albus und Prof. Dr. Christoph Herrmann-Lingen, Leiter der Abteilung Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen, geleitet. Zusätzlich nehmen acht weitere Kliniken über ganz Deutschland verteilt an der Studie teil. Erste Patienten werden jetzt im Herbst 2008 in das Programm aufgenommen und jeweils bis zu einem Jahr lang betreut. Für sie entstehen keine zusätzlichen Behandlungskosten. Erste Ergebnisse der Studie werden 2013 erwartet.

Für Rückfragen:

Priv.-Doz. Dr. Christian Albus
Leiter der Klinik und Poliklinik für Psychosomatik und Psychotherapie der Uniklinik Köln
Telefon: 0221 478 5911
Telefax: 0221 478 6261
E-Mail: christian.albus@uk-koeln.de

Sina Vogt
Leiterin Stabsstelle Kommunikation Uniklinik Köln
Telefon: 0221 478 5548
E-Mail: pressestelle@uk-koeln.de

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