11.10.2017
Forschung

Impfansatz gegen Virus-induzierten Hautkrebs

Deutsche Krebshilfe fördert Projekt der Uniklinika Köln und Bonn

Prof. Dr. Baki Akgül, Foto: Uniklinik Köln
Prof. Dr. Baki Akgül, Foto: Uniklinik Köln

Prof. Dr. Baki Akgül, Institut für Virologie der Uniklinik Köln, und Dr. Christoph Coch, Institut für Klinische Chemie und Klinische Pharmakologie des Universitätsklinikums Bonn, erhalten eine Gesamtförderung von 400.000 Euro von der Deutschen Krebshilfe. Ihr gemeinsames Ziel: eine Impfstrategie gegen onkogene Papillomviren der Haut zu entwickeln.

Humane Papillomviren (HPV) verursachen nicht nur Gebärmutterhalskrebs und Karzinome des Kopf-Hals-Bereiches, sondern auch bösartige Hauttumoren. Papillomviren der sogenannten „beta-HPV“-Gruppe sind in der Allgemeinbevölkerung sehr weit verbreitet und besiedeln die menschliche Haut schon in den ersten Wochen nach der Geburt. Im Normalfall werden beta-HPVs durch das Immunsystem erfolgreich in Schach gehalten, sodass sich die Viren kaum vermehren können und zu keiner Erkrankung führen.

Bei Patienten, die ein Organ transplantiert bekommen haben, ist dies jedoch anders. Sie erhalten zum Schutz des neuen Organs Medikamente, welche das Immunsystem hemmen, damit das Organ nicht abgestoßen wird. Als Nebenwirkung kommt es zu einer gesteigerten Virusvermehrung in der Haut, wodurch viele Warzen und Hautkrebsvorstufen entstehen. Als Folge erkranken diese Patienten sehr viel häufiger am weißen Hautkrebs als die gesunde Allgemeinbevölkerung.

Den Zusammenhang, dass beta-HPVs zu Hautkrebs führen können, veröffentlichte die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Baki Akgül bereits in ihren Arbeiten. Aber anders als bei den HPV-Typen, welche die Schleimhaut des Gebärmutterhalses befallen, steht bei den beta-HPVs leider keine standardisierte Impfung als Vorsorge gegen Hautkrebs zur Verfügung. Dafür gibt es zu viele unterschiedliche Subtypen dieser Viren, gegen die man eine Impfung entwickeln müsste.

Um hier Abhilfe zu schaffen, wollen nun Prof. Dr. Baki Akgül, Leiter der Arbeitsgruppe Virale Hautkarzinogenese am Institut für Virologie der Uniklinik Köln, und Dr. Christoph Coch vom Institut für Klinische Chemie und Klinische Pharmakologie des Universitätsklinikums Bonn mit Unterstützung der Deutschen Krebshilfe einen neuen Ansatz zur gezielten Immunaktivierung gegen beta-HPV entwickeln.

Die Idee der Forscher beruht darauf, dass das Immunsystem spezielle Rezeptoren besitzt - sogenannte „Pattern Recognition Receptors (PRR)“-, die in der Lage sind, bestimmte Bestandteile von Viren zu entdecken und in der Folge das Immunsystem zu aktivieren. Allerdings können Viren die Erkennung durch diese Rezeptoren unterdrücken und sich so der Immunantwort entziehen. Mittlerweile können diese Rezeptoren aber durch nachgestellte Virusbestandteile therapeutisch aktiviert werden. Dabei interessieren sich Prof. Akgül und Dr. Coch insbesondere für die Rezeptoren, die durch virale Nukleinsäuren – also DNA und RNA – aktiviert werden.

Trotz der vielfältigen und individuellen beta-HPV-Subtypen soll also durch Aktivierung der Immunrezeptoren, die das Virus normalerweise unterdrücken kann, eine Selbstvakzinierung gegen beta-HPVs bei den Patienten erreicht werden, die zur Reduktion der Virusmengen in der Haut führen soll. „In einem Pilotversuch konnten wir passend zu unserer Hypothese durch Aktivierung von den PRR einen Schutz von Mäusen, die HPV-Onkoproteine in der Haut exprimieren, vor Hauttumorbildung erreichen“, sagt Dr. Coch.

Dieser Ansatz soll nun an HPV infizierten Zellen und Hauttumor-Modellen im Labor weiter untersucht werden. „Mit dieser Förderung werden wir in den nächsten Jahren wertvolle Erkenntnisse zur Anwendung von spezifischen Immunmodulatoren als zukünftige Impfstrategie in der Hautkrebs-Prophylaxe erhalten“, erklärt Prof. Akgül. Die Forscher hoffen, damit eine Reduktion der beta-HPV Belastung in der Haut zu erreichen, gegen die auf herkömmlichem Weg die Entwicklung eines Impfstoffs nicht möglich ist. Akgül: „Unser großes Ziel ist, dadurch zukünftig die Häufigkeit von beta-HPV assoziierten Hautkarzinomen bei Hochrisiko-Patienten zu senken.“

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