Chirurgie
Funktionsstörungen wie Stuhlinkontinenz, chronische Verstopfung oder Entleerungsstörungen können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Dank moderner Diagnostik lassen sich die Ursachen heute gezielt erkennen und individuell behandeln.
Ein Schwerpunkt unseres Zentrums liegt auf funktionellen Darmerkrankungen, bei denen oft mehrere Faktoren zusammenwirken. Umso wichtiger ist eine abgestimmte, interdisziplinäre Therapie. Deshalb arbeiten bei uns Spezialistinnen und Spezialisten verschiedener Fachrichtungen eng zusammen, um auch komplexe Beschwerden ganzheitlich zu behandeln – mit dem Ziel, Ihre Lebensqualität langfristig zu verbessern.
Unter Stuhlinkontinenz versteht man die eingeschränkte Fähigkeit, den Stuhlgang kontrolliert zu halten. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von einer Schwäche der Beckenbodenmuskulatur über neurologische Erkrankungen bis hin zu strukturellen Veränderungen des Enddarms.
Viele Betroffene vermeiden aus Unsicherheit oder Scham das Gespräch über ihre Beschwerden. Dabei stehen heute wirksame diagnostische und therapeutische Verfahren zur Verfügung, die häufig zu einer deutlichen Verbesserung der Kontinenz führen können.
Die Therapie erfolgt individuell und umfasst
- konservative Verfahren (Beckenbodentraining, Physiotherapie, medikamentöse Therapie)
- interventionelle Verfahren
- operative Rekonstruktion bei strukturellen Ursachen.
Eine strukturierte und für Sie verständliche Diagnostik ist Voraussetzung für eine zielgerichtete Therapieentscheidung.
Funktionelle Darmerkrankungen können mit vielfältigen Beschwerden einhergehen, darunter Bauchschmerzen, Druckgefühl im Beckenboden, unvollständige Entleerung oder chronische Verstopfung. Häufig liegt keine einzelne organische Ursache vor, sondern eine komplexe Störung der Darmfunktion oder der Entleerungsmechanik.
Komplexe Darmentleerungsstörungen betreffen insbesondere den Enddarm und können mit erheblichem Leidensdruck verbunden sein. Typisch sind:
- erschwerte oder unvollständige Darmentleerung
- Notwendigkeit zu pressen
- Nutzung unterstützender Maßnahmen
- Druckgefühl im Beckenboden
- Kombination mit Beckenbodensenkung
Eine differenzierte Diagnostik ermöglicht die Abgrenzung zwischen Transportstörungen und Darmaustreibungsstörungen und bildet die Grundlage für eine individuell angepasste Therapie.
Leistungen
- Chirurgische Standarduntersuchung
- Anorektale Endosonographie
- Mastdarmspiegelung/Analkanalspiegelung
- Anorektale Manometrie
- Konventionelle Röntgen-Defäkografie, dynamisches MRT
In einem hohen Prozentsatz der Fälle wird zunächst ein konservativer Therapieansatz eingeleitet:
- Biofeedback
- Elektrotherapie
- Beckenbodengymnastik
- Diätische Beratung
- Hilfsmittel wie Einlagen oder Irrigationsbehandlung
Liegt ein struktureller morphologisch sichtbarer Defekt vor, wird eine operative Korrektur vorgenommen. Dieses sind im Einzelnen:
Stuhlinkontinenz
- Analsphinkterrekonstruktionen
- Implantation künstlicher Analsphinkter
- Dynamische Grazilisplastik: Schließmuskelersatzplastiken bei kompletter Zerstörung des Schließmuskelapparates
- Sakrale Nervenstimulation: Die Anwendung der sakralen Nervenstimulation (SNS) nimmt eine Sonderstellung in der chirurgischen Therapie der Stuhlinkontinenz ein. Hier wird bei morphologisch intakter Sphinktermuskulatur durch eine Dauerstimulation der sakralen Nerven in vielen Fällen eine Kontinenz wieder hergestellt.
Anal-/Rektumprolaps
- Rektopexie (gegebenenfalls mit Resektion)
- TRANS–STARR–OP
- Altemeyer–OP
- Analschließmuskelrekonstruktionen bei Defektsituationen zum Beispiel nach Geburtstrauma
Obstruktives Defäkationssyndrom
- STARR–OP
- TRANS–STARR OP
Alle diese Eingriffe werden von spezialisierten, koloproktologisch tätigen Viszeralchirurgen durchgeführt. Gegebenfalls erfolgen die Eingriffe auch simultan mit Operationen, die aufgrund einer komplexen Beckenbodenproblematik von anderen Fachbereichen durchgeführt werden müssen (Urologie, Gynäkologie). Andere proktologische Erkrankungen (Hämorrhoiden, Fissuren, Fisteln, Tumore) werden ebenfalls erkannt und therapiert.
Kontakt
Spezialsprechstunde für Beckenboden und Darmentleerungsstörungen
Mittwoch 08:30 - 13:00 Uhr
