08.10.2012

Parkinson ist nicht gleich Parkinson

Kölner Forscher belegen unterschiedliche Krankheitstypen

Der Morbus Parkinson ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen des höheren Lebensalters. Die Betroffenen leiden unter stark unterschiedlichen Symptomen wie Zittern, Bewegungsarmut, Muskelsteifheit sowie Gang- und Haltungsstörungen. Ursache für diese verschiedenen Symptome ist im Wesentlichen der Mangel an Dopamin. Eine Forschergruppe der Uniklinik Köln hat nun herausgefunden, dass es in der Art der Störung des Dopamin-Stoffwechsel große Unterschiede gibt – und man so auch von unterschiedlichen Parkinson-Typen sprechen kann.

Die Ursache für die verschiedenen Symptome, die sich auch in Schlafstörungen, Depressionen, Blutdruckregulationsstörungen oder Verstopfung und Inkontinenz zeigen können, ist im Wesentlichen ein Dopaminmangel durch den Verlust von Nervenzellen in der „Substantia nigra“, der schwarzen Substanz im Bereich der Basalganglien des Gehirns. Was zu diesem Verlust von Nervenzellen führt, ist im Kern noch unklar. Einzelne Ursachen sind jedoch identifiziert: So sind Giftstoffe (zum Beispiel Pestizide) oder auch Traumata als Auslöser bekannt – diese sind jedoch nicht bei der Mehrheit der Parkinson-Patienten als ursächlich anzunehmen.

Es ist aus der klinischen Erfahrung seit langem bekannt, dass es verschiedene Typen des Morbus Parkinson zu geben scheint. So konnte beobachtet werden, dass Patienten mit Zittern (dem sogenannten Tremor) als Hauptsymptom eine langsamere und günstigere Krankheitsentwicklung zeigen als Patienten mit überwiegender Bewegungsarmut (sogenannte Akinese) und Muskelsteifheit (Rigor). Die Ursachen für diese unterschiedlichen Verlaufstypen waren jedoch bisher unbekannt. Forscher der Uniklinik Köln konnten nun demonstrieren, dass sich diese verschiedenen Krankheitstypen sowohl anhand der klinischen Entwicklung als auch anhand des Dopaminstoffwechsels unterscheiden. Über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren wurden in der ProDDAT-Studie (Progression of the dopaminergic deficit of akinetic-rigid and tremordominant patients) insgesamt 46 Patienten mit Morbus Parkinson beobachtet und die Entwicklung der klinischen Symptome sowie der Dopaminstoffwechsel zu verschiedenen Zeitpunkten erfasst. Es konnte belegt werden, dass die Patienten mit tremordominantem Verlaufstyp nach zweieinhalb Jahren weniger stark von den Parkinson-Symptomen betroffen waren. Auch in einer bildgebenden Untersuchung zur Darstellung des Dopamin-Stoffwechsels wiesen diese Patienten weniger Defizite als die Vergleichsgruppe mit akinetisch-rigiden Patienten auf. Diese Ergebnisse konnten von Forschern der Klinik für Neurologie der Uniklinik Köln heute (08.10.2012) in der internationalen Fachzeitschrift Journal PLoS ONE publiziert werden.

Prof. Dr. Lars Timmermann, Oberarzt der Klinik für Neurologie und Leiter der Arbeitsgruppe Bewegungsstörungen und Tiefe Hirnstimulation, erklärte hierzu: „Durch diese Forschungsergebnisse ist uns bestätigt worden, was wir seit Jahren aus dem klinischen Alltag wussten: Parkinson-Patienten haben einen sehr individuellen Verlauf.
Nun müssen wir alles daran setzen, die Ursachen dieser verschiedenen Verlaufsformen noch besser zu verstehen.“

Dr. Carsten Eggers, federführender Erstautor der Studie, sagte: „Diese Ergebnisse helfen uns, besser zu verstehen, warum sich Parkinson-Patienten voneinander unterscheiden: Es gibt Unterschiede im Dopamin-Stoffwechsel. Für die Zukunft kann dies bedeuten, dass die Therapien auf verschiedene Patientengruppen mit Morbus Parkinson noch individueller zugeschnitten werden können.“

Die Wissenschaftler haben vor, im Rahmen der von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Klinischen Forschergruppe 219 „Basalganglien-Kortex-Schleifen: Mechanismen pathologischer Interaktionen und ihre therapeutische Modulation“ diese Fragen in den nächsten Jahren weiter zu erforschen.

Titel:
Parkinson subtypes progress differently in clinical course and imaging pattern
Autoren:
Carsten Eggers und David J. Pedrosa, Deniz Kahraman, Franziska Maier, Catharine J. Lewis, Gereon R. Fink, Matthias Schmidt und Lars Timmermann
Fachzeitschrift:
PloS One
DOI:
10.1371/journal.pone.0046813

Für Rückfragen:

Christoph Wanko
Pressesprecher Uniklinik Köln
Stabsabteilung Unternehmenskommunikation und Marketing
Telefon: 0221 478-5548
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