25.05.2023
Anästhesiologie

Schon Kinder ab vier Jahren können Leben retten

Prof. Böttiger veröffentlicht neues ILCOR-Statement

Prof. Dr. Bernd Böttiger, Foto: Michael Wodak
Prof. Dr. Bernd Böttiger, Foto: Michael Wodak

Mit nur vier Jahren können Kinder die ersten Schritte der Wiederbelebung erlernen – das zeigen neueste wissenschaftliche Erkenntnisse. Das International Liaison Committee on Resuscitation (ILCOR) hat dazu ein neues Statement über die Schülerausbildung in Wiederbelebung „KIDSSAVE LIVES“ unter Leitung von Univ.-Prof. Dr. Bernd Böttiger, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin der Uniklinik Köln, in den wissenschaftlichen Fachzeitschriften Circulation und Resuscitation veröffentlicht. Das Statement ist das Ergebnis einer weltweiten Zusammenarbeit von 18 hochrangigen internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus zehn Ländern.

„Ziel dieser Arbeit war eine Bewertung der gesamten vorhandenen internationalen Literatur über die Ausbildung von Schulkindern in lebensrettenden Sofortmaßnahmen“, sagt Prof. Böttiger. Die zusammenfassenden Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, Schulkinder in Wiederbelebungsmaßnahmen zu schulen. Bereits in jüngsten Jahren können lebensrettende Maßnahmen erlernt und angewendet werden. Darüber hinaus werden konkrete Handlungsempfehlungen für die Umsetzung des Schulunterrichts gegeben.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der Herz-Kreislauf-Stillstand gehören weltweit zu den häufigsten Todesursachen. Es ist erwiesen, dass schnelles und effektives Handeln durch Wiederbelebungsmaßnahmen wie die Herzdruckmassage die Überlebenschancen der Betroffenen verdreifachen kann. Durch die Vermittlung der Techniken in Schulen können geschulte Kinder im Notfall schnell und effektiv handeln und viele Leben retten.

Das ILCOR-Statement hebt folgende Ergebnisse hervor:

  • Schulkinder sind hoch motiviert, Wiederbelebungsmaßnahmen zu erlernen und durchzuführen, ihr Wissen mit Familie und Freunden zu teilen und so als Multiplikatoren zu wirken.
  • Kinder sind bereits im Alter von vier Jahren in der Lage, die grundlegenden Schritte der Wiederbelebung zu erlernen. Ab diesem Alter können sie beispielsweise nach einem Training eine nicht-normale Atmung und eine Bewusstlosigkeit erkennen. Dies ermöglicht einen frühen Beginn des Wiederbelebungstrainings. Spätestens mit sechs Jahren
    können Kinder nach einer Unterweisung erklären, wie man den Notruf wählt und geben korrekte Informationen zum Notfall.
  • Die nötige Kompressionstiefe bei der Herzdruckmassage beträgt bei Erwachsenen fünf bis sechs Zentimeter. Dabei wird der Brustkorb in Höhe der Brustwarzen 100 bis 120 Mal pro Minute mit beiden Händen abwechselnd eingedrückt und entlastet. Diese effektive Kompressionstiefe kann ab einem Alter von etwa zehn bis zwölf Jahren erreicht werden. Beeinflusst wird die Tiefe vorwiegend von Körpergewicht und Body-Mass-Index (Köpergewicht in Relation zu Körpergröße) des Kindes. Trotzdem sollte auch jüngeren Kindern die richtige Kompressionstiefe und -frequenz beigebracht werden, auch wenn sie diese unter Umständen beim Training nicht erreichen. Das Wissen wird so langfristig gefestigt und sie können damit beispielsweise anwesende ältere Menschen entsprechend anleiten.
  • Regelmäßiges Training der Wiederbelebungstechniken festigt die Fähigkeiten langfristig. Beginnt das Training bei den jüngsten Kindern, werden die Fähigkeiten und Kenntnisse langfristig entwickelt und verankert. So wird aus einem Vierjährigen, der weiß, wie man einen Notruf absetzt, ein Zehnjähriger, der eine effektive Herzdruckmassage durchführen kann.

Das ILCOR-Statement unterstreicht die herausragende Bedeutung der Schülerausbildung in Wiederbelebung, angefangen bei den Jüngsten. Empfohlen wird ein kontinuierliches jährliches Training von zwei Stunden mit einer Kombination aus Theorie und Praxis – angeleitet durch Lehrkräfte. Der Review empfiehlt, alle Schulkinder unabhängig von ihrem Alter in Wiederbelebungsmaßnahmen zu schulen. Der Fokus liegt dabei auf den Schritten „PRÜFEN-RUFEN-DRÜCKEN“. Auch der Deutsche Rat für Wiederbelebung setzt sich seit Jahren für die Einführung eines verpflichtenden Reanimationsunterrichts für alle Schulkinder in Deutschland spätestens ab der 7. Klasse ein.

„Wiederbeleben ist kinderleicht – auch für Erwachsene. Alles, was man dazu braucht, sind zwei Hände. Jede und jeder kann so ein Leben retten“, ist sich Prof. Böttiger sicher.

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