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11.05.2023 Forschung

Neuer Therapiestandard für fitte Patienten mit CLL

Arbeit der CLL-Studiengruppe im New England Journal of Medicine

Foto: Deutsche CLL-Studiengruppe (DCLLSG)
Foto: Deutsche CLL-Studiengruppe (DCLLSG)

In der internationalen Phase III-Studie der Deutschen CLL-Studiengruppe (DCLLSG) wurden 926 Patienten mit einer fortgeschrittenen Chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) und in guter körperlicher Verfassung randomisiert vier Behandlungsarmen mit fester Behandlungsdauer zugeteilt. Die Studie hatte zwei primäre Endpunkte. Der erste primäre Endpunkt war die Rate nicht nachweisbarer minimaler Resterkrankung (MRD) im peripheren Blut nach 15 Monaten. Der zweite primäre Endpunkt das progressionsfreie Überleben (PFS). Die Ergebnisse der Studie sind heute (11.05.2023) im renommierten Wissenschaftsjournal New England Journal of Medicine veröffentlicht worden.

Die Ergebnisse der Studie zeigen eindeutig, dass Patienten die eine Kombination aus einem gezielten Zelltod-auslösenden Medikament, Venetoclax, mit einem Antikörper gegen CD20, Obinutuzumab, häufiger eine nicht messbare Resterkrankung bewirkten (86,5 Prozent) als die Chemoimmuntherapie, der bisherige Standard (52,0 Prozent). In gleicher Weise war die neue Kombination auch erfolgreicher in der Vermeidung von Krankheitsrückfällen nach drei Jahren mit 87,7 Prozent im Vergleich zu dem bisherigen Standard (75,5 Prozent). Die Hinzunahme eines weiteren, gezielten Hemmstoffs, Ibrutinib, welcher eine das Wachstum der Leukämie treibende Kinase bremst, hatte keinen eindeutigen positiven Effekt im Vergleich zur Zweifachkombination aus Venetoclax und Obinutuzumab.

Die CLL13, bzw. GAIA-Studie wird in Zusammenarbeit mit der Nordic CLL Study Group und der Studiengruppe der „Hemato Oncology Foundation for Adults in the Netherlands“ (HOVON) durchgeführt. Darüber hinaus nahmen Zentren aus der Schweiz, Irland und Israel an der Studie teil.

"Wir halten diese Ergebnisse der GAIA/CLL13-Studie für sehr ermutigend. Sie zeigen, dass diese Kombinationstherapie mit Venetoclax und Obinutuzumab für Patienten, die bisher eine Chemoimmuntherapie erhalten hätten, wirksamer ist", betont Prof. Dr. Barbara Eichhorst von der Uniklinik Köln und der Medizinischen Fakultät, welche die Studie leitete.

Hervorzuheben ist, dass in dieser vierarmigen, aufwändigen Studie mehrere Substanzen in unterschiedlichen Kombinationen miteinander verglichen wurden. „Die Studie zeigt, dass es auch in Deutschland möglich ist, akademische Studien zu initiieren und damit den Behandlungsstandard für Krebserkrankungen weltweit zu verbessern“, betont Univ.-Prof. Dr. Michael Hallek, Leiter und Gründer der Deutschen CLL-Studiengruppe an der Uniklinik Köln.

Hintergrund CLL-Studiengruppe:

Die Deutsche CLL-Studiengruppe (DCLLSG) wurde 1996 gegründet, um die Diagnostik und Therapie der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) im Rahmen kontrollierter prospektiver Studien zu optimieren. Sie steht unter der Leitung von Prof. Dr. M. Hallek von der Universität zu Köln. Seit 1997 wurden durch die DCLLSG mehrere Phase I- bis III-Studien-Protokolle aktiviert, welche die Behandlung von Patienten aller Stadien der CLL umfassen. Ab 1999 wurde die Arbeit der Studiengruppen auch durch Mittel der Deutschen Krebshilfe gefördert. Ein wesentlicher Aspekt der Arbeit der Studiengruppe ist es, die Behandlung mit allen Zentren im deutschsprachigen Raum so abzustimmen und zu vernetzen, dass die neuesten Diagnostik- und Therapieoptionen allen Patienten zur Verfügung gestellt werden können.

Originalarbeit: N Engl J Med 2023;388:1739-54. DOI: 10.1056/NEJMoa2213093