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24.08.2023 Neuer Praxisratgeber

Demenz im Justizvollzug

Bundesweit erster Ratgeber gemeinsam entwickelt

(v.l.) Dr. Sandra Verhülsdonk, Justizminister Dr. Benjamin Limbach und Dr. Ann-Kristin Folkerts, Foto: Ministerium der Justiz
(v.l.) Dr. Sandra Verhülsdonk, Justizminister Dr. Benjamin Limbach und Dr. Ann-Kristin Folkerts, Foto: Ministerium der Justiz

Dr. Sandra Verhülsdonk, Abteilung Gerontopsychiatrie des LVR-Klinikums Düsseldorf – Kliniken der Heinrich-Heine-Universität und externe Habilitandin der Abteilung Medizinische  Psychologie | Neuropsychologie und Gender Studies der Uniklinik Köln, und Dr. Ann-Kristin Folkerts, stellvertretende Leiterin der Abteilung Medizinische Psychologie haben gemeinsam mit den Fachreferaten des Ministeriums der Justiz Nordrhein-Westfalen einen Praxisratgeber „Demenz im Justizvollzug – Handlungsempfehlungen im Vollzug NRW“ entwickelt. Dieser ist nun bei einem Termin in Düsseldorf dem Minister der Justiz, Dr. Benjamin Limbach, vorgestellt worden.

Minister Dr. Limbach betonte anlässlich des Termins: „Der bundesweit erste Ratgeber zur Früherkennung von Demenz von Gefangenen bietet durch konkrete Empfehlungen Handlungssicherheit für die Kolleginnen und Kollegen im Justizvollzug zum Umgang mit demenzerkrankten inhaftierten Menschen. Die Bedürfnisse lebensälterer Gefangener können damit künftig noch besser in den Blick genommen werden.“

Der Ratgeber im Taschenformat richtet sich an Justiz-Bedienstete und beinhaltet grundsätzliche Erläuterungen sowie eine Darstellung der unterschiedlichen Stadien der Krankheit und benennt zum Beispiel Warnsignale für eine beginnende Demenz wie Wortfindungsstörungen oder die Vernachlässigung der Körperhygiene. Gleichzeitig werden Empfehlungen zum Umgang mit inhaftierten Demenzkranken ausgesprochen, wie etwa regelmäßige Gespräche mit einfachen und kurzen Sätzen oder den Ratschlag, Fehler nicht zu korrigieren, um die Betroffenen nicht zu beschämen.

Eine möglichst frühzeitige Wahrnehmung der Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit und Alltagskompetenz bei lebensälteren Personen ist notwendig, um eine pathologische Verschlechterung der Symptome möglichst lange hinauszuzögern.

Der Ratgeber basiert auf Erkenntnissen der Pilotstudie „Störungen kognitiver Leistungsfähigkeit älterer Straftäterinnen und Straftäter im Strafvollzug in Nordrhein-Westfalen“, die unter Beteiligung mehrerer nordrhein-westfälischer Justizvollzuganstalten von Dr. Verhülsdonk unter Mitwirkung von Dr. Folkerts durchgeführt wurde. Auf Basis der gewonnenen Daten wurde deutlich, dass kognitive Einschränkungen bei älteren Menschen im Strafvollzug häufiger festgestellt wurden als bei der vergleichbaren Altersgruppe der Allgemeinbevölkerung. Im Jahr 2021 wurde Dr. Verhülsdonk für die Studie mit dem hochdotierten „Schöllerpreis“, der von der Schöller-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Altersmedizin im Klinikum Nürnberg vergeben wird, ausgezeichnet.