09.11.2018

Genomik zum Wohle des Patienten

Wilhelm Vaillant-Preis 2018 für Translationale Erforschung neurologischer Entwicklungsstörungen

Univ.-Prof. Christian P. Schaaf, Foto: Uniklink Köln
Univ.-Prof. Christian P. Schaaf, Foto: Uniklink Köln

Der mit 30.000 Euro dotierte Wilhelm Vailllant-Preis geht 2018 an Univ.-Prof. Christian P. Schaaf, Professor für Klinische Genomik an der Universität zu Köln und Leiter der Patientenversorgung am Institut für Humangenetik der Uniklinik Köln. Er untersucht die genetischen Ursachen neurologischer und psychiatrischer Krankheiten, vor allem der geistigen Behinderung und der Autismus-Spektrum-Störungen. Die Preisverleihung findet heute (09.11.2018) Abend in München statt. 

Er hat zahlreiche neue Krankheitsgene entdeckt, und zwei der entsprechenden Krankheiten tragen seinen Namen: Schaaf-Yang Syndrom und Bosch-Boonstra-Schaaf Optikusatrophie Syndrom. In seinem Labor nutzt Prof. Schaaf Mausmodelle und induzierte pluripotente Stammzellen, um die molekularen Mechanismen dieser Krankheiten besser zu verstehen.  „Jedes meiner Forschungsprojekte begann mit einem Patienten, der als ungelöster Fall zu mir in die Sprechstunde kam. Viele Patienten mit neurologischen Entwicklungsstörungen haben eine lange Odyssee von Untersuchungen und Krankenhausaufenthalten hinter sich. Oft ist nach Jahren oder sogar Jahrzehnten noch nicht klar, was die eigentliche Ursache ihrer Krankheit sein könnte. Diesen Patienten zu helfen, die Frage nach der Ursache der Krankheit zu lösen und ihnen idealerweise neue Einblicke, gegebenenfalls sogar Therapieansätze zu bieten – das motiviert mich Tag für Tag“, erklärt Prof. Schaaf.

Diese Forschungstätigkeit hat nun die Wilhelm Vaillant-Stiftung mit dem Preis 2018 gewürdigt. „Mit seinen herausragenden Arbeiten zu den genetischen Ursachen neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen reiht sich Professor Schaaf in die beeindruckende Abfolge der Träger des Wilhelm Vaillant-Preises ein“, so Univ.-Prof. Sven Mahner, Vorsitzender des Stiftungsrats und Direktor der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München. 

Prof. Christian Schaaf studierte Medizin in Heidelberg und promovierte am dortigen Institut für Humangenetik. Studienaufenthalte führten ihn nach Freiburg, Wien, Toronto (Kanada), New York (USA), Hobart (Australien) und Houston (USA). Seine Facharztausbildung im Fach "Clinical Genetics" absolvierte er am Baylor College of Medicine in Houston, Texas, wo er seit 2010 als Assistant Professor am Department of Molecular and Human Genetics tätig war. Im Jahr 2017 wurde er mit einer Stiftungsprofessur für neuropsychiatrische Genetik am Texas Children's Hospital ausgezeichnet. 

Prof. Schaafs Arbeit wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem von der Harvard Medical School mit dem William K. Bowes Jr. Award in Medical Genetics und mit dem Donald Seldin - Holly Smith Award for Pioneering Research der American Society for Clinical Investigation. Schaaf bleibt als Visiting Professor dem Baylor College of Medicine und dem Texas Children's Hospital weiter verbunden. „Dies erlaubt mir, Patienten dies- und jenseits des Atlantiks in meine Forschung einzubinden“, so der Humangenetiker.

Hintergrund Wilhelm Vaillant-Preis: 

Professor Vaillant, ursprünglich Ingenieur, aber nicht verwandt mit dem Heizungshersteller, war ein Spätberufener der Medizin. Erst im Alter von 50 Jahren entschloss er sich zum Medizinstudium. Mit einem Teil seines Vermögens errichtete er 1980 die nach ihm benannte Stiftung, die 1981 vom damaligen Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus genehmigt und damit rechtsfähig wurde. Sie hat ihren Sitz in der Frauenklinik des Universitätsklinikums München am Standort Maistraße und fördert die medizinische Forschung und den Aufbau von Gesundheitseinrichtungen. In der Frauenklinik rief Vaillant 1985 die „Wilhelm Vaillant-Einheit für Frühdiagnostik von Erkrankungen der Brust“ ins Leben und stattete die Einheit mit den damals modernsten Geräten für Brustdiagnostik aus. Bis heute ist diese gemeinsam von der LMU-Frauenklinik und LMU-Radiologie betriebene Einrichtung eine der größten und modernsten Einrichtungen zur Vorsorge und Früherkennung von Brusterkrankungen.

Der Wilhelm Vaillant-Preis wurde 1992 erstmals verliehen. Er wird grundsätzlich alle zwei Jahre bei den Medizinischen Fakultäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen mit medizinischem Schwerpunkt ausgelobt.

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