Prof. Dr. Oliver A. Cornely und Jannik Stemler, Foto: Michael Wodak/Klaus Schmidt

Der Innovationsausschuss (IA) beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) stellt der Uniklinik Köln und der Universität zu Köln Fördermittel in Höhe von einer Million Euro über dreißig Monate zur Verfügung. Besonders profitieren werden immungeschwächte Patientinnen und Patienten, die durch invasive Pilzerkrankungen gefährdet sind.

Der Innovationsausschuss fördert im Rahmen des Programms „Versorgungsforschung einstufig“ ein neues deutschlandweites Forschungsprojekt zur Verbesserung der Versorgung von Patientinnen und Patienten mit invasiven Pilzinfektionen. Das Projekt „Versorgung invasiver Mykosen in Deutschland – Analyse der Ist-Situation und des Bedarfs zur Implementierung eines neuen Versorgungskonzeptes“ (MYK-IMPAKT) wird unter der Leitung von Dr. Jannik Stemler, Klinik I für Innere Medizin, sowie Professor Dr. Oliver A. Cornely, Direktor des Instituts für Translationale Forschung am Exzellenzcluster CECAD der Universität zu Köln, durchgeführt. Ebenfalls beteiligt ist Ingo Meyer, Leiter der PMV Forschungsgruppe an der Uniklinik Köln.

Für das auf dreißig Monate angelegte Vorhaben stellt der Innovationsausschuss Fördermittel in Höhe von über eine Million Euro bereit. Das Ziel des Projekts besteht in der Entwicklung eines neuen Versorgungskonzepts für Menschen mit invasiven Mykosen – seltenen, aber häufig lebensbedrohlichen Pilzinfektionen.

Invasive Pilzinfektionen betreffen insbesondere schwer immungeschwächte Patienten, etwa nach Organtransplantation, bei Krebserkrankungen oder intensivmedizinischer Behandlung. Die Erkrankungen gelten als medizinisch besonders herausfordernd, da Diagnostik und Therapie häufig komplex sind und schnelle fachübergreifende Entscheidungen erfordern.

„Wir sehen in der klinischen Praxis täglich, wie schwierig die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit invasiven Pilzinfektionen sein kann“, erklärt Dr. Stemler. „Mit MYK-IMPAKT wollen wir erstmals systematisch untersuchen, wie diese Patientinnen und Patienten in Deutschland tatsächlich versorgt werden, wo Versorgungslücken bestehen und wie ein neues, strukturiertes Versorgungskonzept die Behandlung verbessern kann.“

Das Projekt verfolgt zwei zentrale Ziele: Zum einen wird die Versorgungssituation invasiver Mykosen in Deutschland umfassend analysiert. Dazu werden unter anderem Krankheitsprävalenz, Morbidität, Mortalität, Behandlungsverläufe sowie die Nutzung ambulanter und stationärer Leistungen untersucht. Zum anderen wird gemeinsam mit Ärzten, Patienten sowie weiteren Akteuren des Gesundheitswesens ein neues Versorgungskonzept entwickelt werden.

Die Forschenden greifen dabei auf umfangreiche Routinedaten gesetzlicher Krankenkassen zurück, darunter Daten der BARMER, der DAK-Gesundheit sowie des Forschungsdatenzentrums Gesundheit mit insgesamt potenziell mehr als 74 Millionen Versicherten. Analysiert werden jährlich rund 8.000 Patientinnen und Patienten mit invasiven Mykosen in Deutschland. „Diese Daten erlauben es uns, ein sehr umfassendes Bild der aktuellen Versorgung von invasiven Mykosen zu gewinnen. Und wir können verstehen, wie es in Zukunft besser laufen sollte“, so Ingo Meyer, dessen Forschungsgruppe diese Auswertungen durchführt.

„Unser Ziel ist eine bessere Versorgung im Sinne des sogenannten Quadruple Aim – also bessere Behandlungsergebnisse, eine höhere Versorgungsqualität, effizientere Ressourcennutzung und gleichzeitig eine Entlastung der Behandelnden“, sagt Professor Cornely. „Die Förderung durch den Innovationsausschuss unterstreicht die hohe Relevanz invasiver Pilzinfektionen für das Gesundheitssystem.“

Die Entwicklung des neuen Versorgungskonzeptes baut auf den langjährigen Erfahrungen des von der European Confederation of Medical Mycology (ECMM) ausgezeichneten Europäischen Exzellenzzentrums für Invasive Pilzinfektionen an der Uniklinik Köln auf. Das dort etablierte ECMM-Expertenkonsil hat sich in den vergangenen Jahren als zentrale Anlaufstelle für die evidenz- und erfahrungsbasierte Beratung behandelnder Ärztinnen und Ärzten etabliert.

Zwischen August 2021 und Juli 2025 gingen am Kölner ECMM-Exzellenzzentrum 543 nationale und internationale Beratungsanfragen ein, überwiegend zu schweren Infektionen durch Aspergillus-, Candida- oder Mucorales-Arten. Aufgrund der steigenden Nachfrage wurde 2024 zusätzlich ein interdisziplinäre Fallkonferenz, das sogenannte Mykose-Board, eingerichtet, in dem komplexe Fälle gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Infektiologie, Radiologie, Mikrobiologie, Chirurgie und Pathologie diskutiert werden.

Die Erkenntnisse aus diesen klinischen Beratungsstrukturen werden nun erstmals systematisch in die Entwicklung einer neuen Versorgungsform für Deutschland einfließen.