Mitglieder des Steuerungskreises auf der leuchtenden Regenbogentreppe des BMFTR, Foto: BMFTR

Die Bundesregierung treibt die „Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen (NDPE)“ weiter voran: Ende Februar hat die erste Sitzung des interdisziplinären Steuerungskreises stattgefunden, der zentrale Maßnahmen zur Verbesserung von Forschung und Versorgung koordinieren soll. Prof. Dr. Clara Lehmann, Leiterin der Infektionsambulanz der Klinik I für Innere Medizin der Uniklinik Köln, ist Mitglied dieses Gremiums. Sie gehört dem Steuerungskreis als Sprecherin der AG Postinfektiöse Erkrankungen der Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG) an.

„Postinfektiöse Erkrankungen stellen viele Betroffene vor große Herausforderungen – sowohl medizinisch als auch im Alltag. Umso wichtiger ist es, Forschung, Versorgung und Datenstrukturen jetzt gezielt zusammenzuführen“, sagt Prof. Lehmann. „Die Nationale Dekade bietet die Chance, Fortschritte deutlich zu beschleunigen.“

Ziel der Nationalen Dekade ist es, Erkrankungen wie Long COVID, ME/CFS und andere postinfektiöse Syndrome systematisch zu erforschen und die Versorgung der Betroffenen nachhaltig zu verbessern. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) arbeitet bei der Ausgestaltung der Dekade im engen Zusammenschluss mit anderen Akteuren aus Politik, Forschung, Gesundheitswesen und -wirtschaft sowie der Gesellschaft zusammen. Expertinnen und Experten aus insgesamt zwölf Institutionen und Verbänden sind im Steuerungskreis vertreten.

Die Vertreterinnen und Vertreter des Steuerungskreises einigten sich auf drei Maßnahmen, die zum Start der Dekade zeitnah umgesetzt werden sollen:

  1. Für die Forschung wird eine umfangreiche Datenbasis zu postinfektiösen Erkrankungen aufgebaut. Hierfür fördert das BMFTR die Sequenzierung des Erbguts von gesunden und erkrankten Menschen, um mögliche Biomarker, Risikofaktoren sowie protektive oder präventive Faktoren zu identifizieren. Die Sequenzierungen werden in einem ersten Schritt auf Basis der bestehenden Kohorten der NAKO Gesundheitsstudie und des Netzwerks Universitätsmedizin (NUM) durchgeführt. 
  2. Um den Erfolg möglicher Therapieansätze wissenschaftlich bewerten zu können, wird die Durchführung von klinischen Studien gestärkt. Entsprechende Fördermaßnahmen werden zeitnah veröffentlicht.
  3. Zunächst drei Arbeitsgruppen sollen den Steuerungskreis themenspezifisch unterstützen: Eine Arbeitsgruppe wird sich der Translationsforschung widmen, die klinische Forschungsergebnisse in die Anwendung bringen soll. Eine weitere Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit den Forschungsinfrastrukturen sowie Daten und Bioproben. Eine dritte Gruppe soll die versorgungsnahe Forschung in den Blick nehmen. Es ist möglich, weitere Arbeitsgruppen oder Untergruppen zu bilden.