Priv.-Doz. Dr. Justin Ferdinandus, Arzt und Wissenschaftler in der Klinik I für Innere Medizin der Uniklinik Köln und der Deutschen Hodgkin Studiengruppe (GHSG), hat den den Paul Martini Early Career Award für klinische Forschung 2026 von der Paul-Martini-Stiftung erhalten. Der Award ist mit 6.000 Euro dotiert und wurde Ende Oktober im Rahmen des Herbstsymposiums in Berlin verliehen. Die Paul-Martini-Stiftung würdigt damit die Forschung von Dr. Ferdinandus zur Behandlung älterer Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem klassischem Hodgkin-Lymphom. Als Erstautor der Studie zeigte er, dass das Therapieregime BrECADD auch bei Menschen zwischen 61 und 75 Jahren wirksam und machbar ist und dass sich die Behandlungsdauer anhand einer PET-Untersuchung individuell anpassen lässt.
Das Hodgkin-Lymphom ist eine seltene Krebserkrankung des lymphatischen Systems, von der vor allem junge Erwachsene betroffen sind. Etwa jede fünfte bis vierte Erkrankung tritt jedoch bei Menschen über 60 Jahren auf. Für diese Altersgruppe fehlten bislang belastbare Studiendaten zu modernen Therapieregimen, und die Behandlungsergebnisse blieben hinter denen jüngerer Patientinnen und Patienten zurück.
BrECADD kombiniert mehrere Wirkstoffe, darunter ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat. In der HD21-Studie der GHSG war das Regime bei Patienten bis 60 Jahre dem bisherigen Standard eBEACOPP bei mindestens gleicher Wirksamkeit durch geringere Toxizität überlegen. Dr. Ferdinandus untersuchte es nun in einer Kohorte dieser Studie bei 83 Patienten mit einem mittleren Alter von 67 Jahren. Die Therapie wird anhand einer Positronen-Emissions-Tomographie (PET) gesteuert: Nach zwei Zyklen zeigt die Untersuchung, ob die Behandlung anschlägt. Bei negativem Befund genügen insgesamt vier Zyklen, andernfalls werden sechs gegeben.
Die Ergebnisse sind überzeugend: Die große Mehrheit der Patientinnen und Patienten sprach vollständig auf die Therapie an und nach zwei Jahren lebten rund neun von zehn ohne Fortschreiten der Erkrankung. Damit liegen die Ergebnisse auf dem Niveau jüngerer Patienten. Fast alle konnten die vorgesehene Behandlung durchlaufen, und kein Todesfall war auf die Therapie zurückzuführen. Schwere Nebenwirkungen, vor allem Veränderungen des Blutbilds, traten häufig auf und erfordern eine engmaschige Begleitung. Die zunächst eingeschränkte Lebensqualität verbesserte sich im Verlauf und erreichte im Durchschnitt die Werte der Allgemeinbevölkerung. Die Studie wurde im Journal of Clinical Oncology veröffentlicht (J Clin Oncol 2025;43(27):2974-2985).
„Ältere Menschen mit Hodgkin-Lymphom wurden in Studien lange nicht ausreichend berücksichtigt. Unsere Daten zeigen, dass auch sie von einer modernen, PET-gesteuerten Therapie mit kurzer Behandlungsdauer profitieren können“, sagt Dr. Ferdinandus. „Mein Dank gilt allen teilnehmenden Patientinnen und Patienten, dem gesamten Team der GHSG und den beteiligten Studienzentren.“
