mentalhub Team
(v.l.) Bahtiyar Yilmaz und Dr. Louisa Süß, Foto: Fabian Stürtz

Mit mentalhub entsteht an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Uniklinik Köln eine digitale Recovery-Nachsorge für Menschen mit komplexen psychischen Krisen. Das Vorhaben ist vor allem ein Transferprojekt: Es verbindet Wissenschaft, Versorgung und Geschäftsmodellentwicklung. Gefördert wird mentalhub bislang und noch bis Ende des Jahres im Rahmen des Programms Start-up Transfer.NRW aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und des Landes Nordrhein-Westfalen. Für das Jahr 2027 ist zudem eine weitere Stiftungszusage gesichert, um die laufende Pilotstudie fortzuführen und mentalhub als Spin-off in den Gesundheitsmarkt zu überführen.

Das Angebot richtet sich an Patientinnen und Patienten mit komplexen psychischen Krisen im Übergang von der stationären Behandlung zurück in den Alltag – mit aktuellem Fokus auf Erkrankungen wie Psychosen, bipolare Störungen oder Depressionen. Als niedrigschwellige Anschlussversorgung setzt es genau dort an, wo nach der Entlassung häufig eine Lücke entsteht und Wartezeiten auf ambulante Termine die Stabilität gefährden. Ziel ist es, den Drehtüreffekt und Rehospitalisierungen zu verringern. Ergänzend zur ambulanten Therapie und nah am Menschen.

Im Zentrum steht das aktuell entwickelte Recovery-Programm: peer-moderierte Online-Gruppen, die über zwölf Wochen wöchentlich stattfinden. Getragen wird es von einer selbst entwickelten digitalen Plattform mit psychoedukativen Inhalten, Recovery-Plänen und Reflexionsaufgaben. Ergänzt wird das Programm um einen Online-Trialog, der auch Fachpersonen einlädt teilzunehmen; ein eigenes Angebot für Angehörige soll künftig hinzukommen. Maßgeblich getragen wird mentalhub von krisenerfahrenen Peers: In der Genesungsbegleitung wird gelebte Erfahrung – Lived Experience – zu einer tragenden, professionellen Rolle in der Versorgung, mit entstigmatisierender Wirkung.

Geleitet wird das Vorhaben von einem kleinen Kernteam. Bahtiyar Yilmaz hat mentalhub aus seiner Erfahrung als Angehöriger heraus initiiert, die Zusammenarbeit mit der Uniklinik angestoßen und verantwortet Strategie- und Produktentwicklung. Dr. Louisa Süß ist als psychologische Psychotherapeutin von Beginn an dabei und verantwortet als Programmverantwortliche die Programm- und Interventionsentwicklung sowie die Pilotstudie. Univ.-Prof. Dr. Joseph Kambeitz begleitet das Projekt als Mentor und wissenschaftlicher Leiter; er ist stellvertretender Klinikdirektor und ärztlicher Leiter des FETZ.

Über die Nachsorge hinaus ist die Plattform als Infrastruktur gedacht: Künftig könnte sie auch für Forschungs- und Transferzwecke anderer psychosozialer Interventionen genutzt werden und so die Perspektive der Lived Experience breiter in der Versorgung verankern. Für Kolleginnen und Kollegen, die an ähnlichen Fragestellungen arbeiten, bietet mentalhub damit einen möglichen Anknüpfungspunkt. Für Rückfragen, Informationsmaterial oder eine Vorstellung im Team steht das mentalhub-Team zur Verfügung; weitere Informationen finden sich auf der Projektseite unter Forschungsprojekte → mentalhub.