Der Krankenstand in Köln ist 2013 deutlich gestiegen. Die Ausfalltage aufgrund von Erkrankungen nahmen um 0,3 Prozentpunkte zu. Mit 3,5 Prozent hatte die Region jedoch weiterhin einen geringeren Krankenstand als der Landesdurchschnitt (3,9 Prozent). Damit waren in Köln an jedem Tag des Jahres von 1.000 DAK-versicherten Arbeitnehmern 35 krankgeschrieben. Das war ein zentrales Thema auf der heutigen (21.11.2014) gemeinsamen Pressekonferenz der Krankenkasse DAK und der Uniklinik Köln. Der Schwerpunkt des DAK-Gesundheitsreports 2013 lag auf der besonderen psychischen Belastungssituation von erwerbstätigen Eltern.
Wie der aktuelle DAK-Gesundheitsreport für Köln zeigt, veränderte sich im Vergleich zum Vorjahr bei einigen Diagnosen der Krankenstand. „Eine deutliche Steigerung mit 29,3 Prozentpunkten gab es bei Atemwegserkrankungen wie Erkältungen oder Bronchitis. Sowohl die Anzahl der Krankheitsfälle als auch die Dauer der Krankschreibungen nahmen zu“, berichtet Steffen Ränke von der DAK-Gesundheit. Die meisten Ausfalltage erfolgten jedoch aufgrund von Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen. Diese Diagnose war Ursache für fast jeden fünften Fehltag. Psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angstzuständen kamen knapp dahinter auf den zweiten Platz, wobei es hier erneut einen leichten Anstieg gab.
„Der gestiegene Krankenstand in Köln hat verschiedene Aspekte“, erklärt Ränke die Ergebnisse. „Während Kurzzeit-Krankheiten wie Erkältungen für Arbeitgeber in der Regel leichter zu bewältigen sind, bedeuten längere Erkrankungen wie seelische Leiden meist größere Probleme.“
In NRW sind die Fehltage durch psychische Erkrankungen seit dem Jahr 2000 um 103 Prozent gestiegen. Deshalb unterstütze die Kasse auch Unternehmen beim betrieblichen Gesundheitsmanagement und zeige Wege auf, wie sie die Beanspruchung ihrer Mitarbeiter durch effektive Prävention besser ausgleichen könnten.
Die DAK-Gesundheit untersucht in ihrem aktuellen Gesundheitsreport speziell die Situation der sogenannten Rushhour-Generation. Die „Rushhour“ bezeichnet die Lebensphase zwischen 25 und 39 Jahren, in der sich vielfältige Anforderungen aus Beruf und Familie ballen. Die Krankenkasse hat dafür den Krankenstand ihrer Mitglieder analysiert und bundesweit 3.000 Männer und Frauen repräsentativ befragt.
Ein Fazit dieser Studie: Obwohl viele Männer und Frauen ab 25 Jahren wegen Mehrfachbelastung unter Druck stehen, wirkt sich das kaum bei den Krankschreibungen aus. Sie fallen im Job seltener aus als jüngere Kollegen und sind kürzer krankgeschrieben als die Älteren. Im Vergleich zu den über 40-Jährigen haben sie 40 Prozent weniger Ausfalltage. Weiteres wichtiges Studienergebnis: Erwerbstätige Eltern leiden nicht mehr unter chronischem Stress als Berufstätige ohne Kinder.
„25- bis 39-jährige Arbeitnehmer sind besonders beansprucht“, so Prof. Dr. Jens Kuhn, Oberarzt in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Uniklinik Köln. „Die Bewältigung der Rushhour gelingt ihnen meist ohne gesundheitliche Nachteile. Sollen sie aber bis zur Rente produktiv bleiben, müssen Arbeitgeber nachhaltig in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter investieren. Der in dieser Gruppe niedrigere Krankenstand darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich in diesem Alter bereits erste Ansätze für chronische Krankheiten bilden.“
In NRW waren zum Beispiel mehr als 40 Prozent mit Rückenproblemen beim Arzt. Unter den häufigsten Diagnosen gab es neben akuten Beschwerden erste langfristige Beeinträchtigungen. Sieben Prozent der Männer ließen sich wegen Bluthochdruck behandeln, der meist durch Bewegungsmangel und Stress ausgelöst wird. Mehr als ein Viertel aller Männer und Frauen mussten wegen eines psychischen Leidens zum Arzt. Diese Krankheitsbilder können den Gesundheitszustand der Patienten langfristig erheblich beeinträchtigen.
Vor diesem Hintergrund sei es problematisch, dass erwerbstätige Eltern weniger auf ihre Gesundheit achten. Laut DAK-Studie machen vieler Mütter und Väter im Spagat zwischen Job und Kindern Abstriche bei sich selbst. Berufstätige Eltern in NRW treiben nicht so oft regelmäßigen Sport und schlafen auch weniger als Kinderlose. Weit mehr als die Hälfte der Befragten gibt an, nicht genug Zeit für sich selbst zu haben. Außerdem fürchtet fast jede zweite Mutter Karrierenachteile durch ihre Kinder. Bei den Vätern gibt dies nur jeder Sechste an.
„In Sachen Familienfreundlichkeit haben viele Arbeitgeber in NRW noch Nachholbedarf“, betont Prof. Kuhn. Sehr oft lägen Wunsch und Wirklichkeit auseinander. Laut Studie glauben fast acht von zehn erwerbstätigen Eltern, Gleitzeit würde ihren Alltag erleichtern. Aber nur 48 Prozent können solche Angebote nutzen. Deutliche Defizite gibt es auch bei Betriebskindergärten und -krippen. Ferner wünschen sich 70 Prozent der Mütter und Väter, dass ihre Chefs und Kollegen bei der Terminplanung mehr Rücksicht nehmen. Aber nur ein Drittel der Befragten erlebt dies auch. Prof. Kuhn: „In der Arbeitswelt werden die Bedürfnisse vieler Eltern nicht berücksichtigt. Das erschwert die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.“
Die DAK-Gesundheit hat rund 1,2 Millionen Versicherte in NRW, davon rund 100.000 in Köln.
Für Rückfragen
Christoph Wanko
Pressesprecher Uniklinik Köln
Stabsabteilung Unternehmenskommunikation und Marketing
Telefon: +49 221 478-5548
E-Mail: presse@uk-koeln.de