Wissenschaftler diskutieren in Köln die beste Einbindung der Eltern in die Therapie. Auch das Thema „Kaiserschnitt auf Wunsch“ steht auf dem Programm. An der Kölner Uniklinik befindet sich eines der größten Zentren für Frühgeborene in Deutschland. „Das frühgeborene Kind gedeiht ohne seine Eltern nicht“, so Professor Bernhard Roth, Leiter des Bereichs Neonatologie und der pädiatrischen Intensivstation der Uniklinik Köln. „Eltern, die ein frühgeborenes Kind bekommen haben, sind meist von der Situation überrollt und traumatisiert. Das heißt, es fällt ihnen schwer, ihre Elternrolle anzunehmen. Das Kind allerdings ist auf Zuwendung der Eltern angewiesen, um überleben zu können.“ Um dieses Thema zu beleuchten, findet erstmals im Rahmen des Kölner Frühgeburtensymposiums eine Podiumsdiskussion statt. Unter dem Titel „Was benötigen Eltern frühgeborener Kinder“ diskutieren, eine Hebamme, eine Kinderkrankenschwester, eine Kinderärztin, eine Psychologin, ein Geburtshelfer und eine Elternvertreterin.

Die Wissenschaftler des Kölner Perinatalzentrums schließen sich der Forderung der im letzten Jahr gegründeten EFCNI (European Foundation for the Care of Newborn Infants) an, welche fordert, dass die psychologische Betreuung der Eltern Teil der Versorgung von Frühgeborenen werde solle. „Natürlich wollen wir
die Forschung, die sich auf die körperlichen Ursachen bezieht weiter vorantreiben. Aber wir brauchen auch die Möglichkeit, die Seelen der Eltern zu begleiten.“ so Professor Roth. „Die Eltern sollten stärker in die Therapie mit eingebunden werden“. Ein wesentlicher Schwerpunkt der Tagung ist die vorgeburtliche Betreuung der Schwangeren bei drohender Frühlgeburt, beispielsweise aufgrund einer Unterversorgung des Kindes während der Schwangerschaft. Die neusten Ergebnisse zur Überwachung im Mutterleib und deren Möglichkeiten der
Behandlung werden vorgestellt. Zudem geht es um die so genannten „späten Frühgeborenen“ sein. Es gibt in den letzten Jahren einen gesellschaftlichen Trend in der Geburtshilfe hin zum „Kaiserschnitt auf Wunsch”. Damit ist der Geburtstermin für die Eltern termingenau planbar. „Diese Kinder werden vor dem natürlichen Einsetzen der Wehen künstlich auf die Welt geholt und sind damit quasi späte Frühgeborene. Diese Patienten hatten wir bisher so nicht auf der Station und auch die Probleme, die sie mit sich bringen, sind für uns meist neu. So gibt es für sie ein erhöhtes Risiko an Atemstörungen. Wir raten daher dazu, auf das natürliche Einsetzen der Wehen zu warten“, so Professor Roth.

In der Gesundheitspolitik mehren sich in letzter Zeit die Stimmen, dass die Versorgung extrem unreifer, untergewichtiger Frühgeborener in Zukunft an eine Mindestfallzahl gekoppelt werden solle oder an überprüfbare Qualitätsstandards. Professor Peter Mallmann, Direktor der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe hierzu: „Unabhängig davon, ob sich die Politik für eine Kopplung an die Fallzahlen oder an eine Qualitätssicherung über Standards entscheiden sollte, auf der neonatalogischen Intensivstation der Uniklinik Köln werden im Jahr circa 110 Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht unter 1500 Gramm behandelt. Damit ist die Uniklinik Köln bundesweit bereits jetzt eins der wichtigsten Zentren bezogen auf die Versorgung extrem unreifer, untergewichtiger Frühgeborener.“ Das vollständige Programm des Symposiums finden Sie unter: www.uni-frauenklinik.de/docs/fruehgeborenensymposium.pdf

Workshops:
Zeit: Freitag, 30. Januar 2009, 14.30 Uhr bis 19.00 Uhr
Ort: Frauenklinik und Kinderklinik der Uniklinik Köln, Kerpener Straße 34, 50931, Köln

Symposium:
Zeit: Samstag, 31. Januar 2009, 9:30 Uhr bis 17:00 Uhr
Ort: Großer Hörsaal, Zentrum für Anatomie der Uniklinik Köln, Gebäude 35, Joseph-Stelzmann-Straße 9, 50931 Köln

Für Rückfragen:
Bianca Nieding
Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Uniklinik Köln
Telefon: 0221 478 4940
E-Mail: bianca.nieding@uk-koeln.de

Dr. med. Angela Kribs
Bereich Neonatologie und pädiatrische Intensivstation der Uniklinik Köln
Telefon: 0221 478 5998
E-Mail: angela.kribs@uk-koeln.de

Sina Vogt,
Leiterin Stabsabteilung Kommunikation Uniklinik Köln
Telefon: 0221 478 5548
E-Mail: pressestelle@uk-koeln.de