Koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz (Herzschwäche) und Bluthochdruck: Diese Erkrankungen werden in der Regel mit fortgeschrittenem Alter in Verbindung gebracht. Doch bereits im Mutterleib kann zumindest der Grundstein für spätere Herz-Kreislauf-Probleme gelegt werden. Forscher der Uniklinik Köln erforschen diese Probleme nun mit Hilfe der Deutschen Herzstiftung.
In kritischen Zeitfenstern der Entwicklung des Fötus können Stress der Mutter, Mangelernährung während der Schwangerschaft oder schlechte Blutversorgung der Plazenta zu nachhaltigen Veränderungen der Organstruktur und -funktion des Babys führen (Stichwort: Perinatale Programmierung). Diese Kinder kommen infolge einer Wachstumsverzögerung häufig mit einem zu niedrigen Geburtsgewicht auf die Welt.
Die Forschung geht bei einer solchen sogenannten intrauterinen Wachstumsverzögerung (IUGR), die in Deutschland fünf bis zehn Prozent aller Neugeborenen betrifft, von einem erhöhten Risiko für eine spätere Erkrankung an Bluthochdruck, metabolischem Syndrom, TypII-Diabetes und Herzkrankheiten wie Koronare Herzkrankheit aus.
Erste Studien zu den Auswirkungen der Wachstumsverzögerung am Herzen belegen, dass die Herzen betroffener Kinder bereits kurze Zeit nach der Geburt weniger leistungsfähig sind und Veränderungen an der Herzstruktur vollziehen, wie sie normalerweise erst im späteren Leben auftreten, zum Beispiel nach einem Herzinfarkt.
„Leider sind diese Fehlentwicklungen im Herzen noch zu wenig erforscht. Allerdings ist bekannt, dass die Aktivität des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Hormonsystems, kurz RAAS, bei Kindern mit intrauteriner Wachstumsverzögerung deutlich erhöht ist. Eine frühzeitige Überaktivierung des RAAS kann womöglich zu strukturellen Veränderungen am Herzen mit negativen Folgen für die spätere Entwicklung führen“, erklärt Dr. Nava Mehdiani, Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin an der Uniklinik Köln.
In einem Forschungsprojekt, das die von der Deutschen Herzstiftung gegründete Deutsche Stiftung für Herzforschung (DSHF) mit insgesamt 41.000 Euro für eineinhalb Jahre fördert, erforschen Dr. Mehdiani und ihr Team deshalb die Funktion des RAAS für die Entwicklung des Herzens.
„Der Bedarf an innovativer Forschung auf diesem Gebiet ist enorm, denn neue Erkenntnisse zur Aktivierung des Hormonsystems RAAS am Herzen und dessen Folgen für das Herz und seine Entwicklung im Kindes- und Erwachsenenalter fehlen bislang noch, sind aber für eine Prävention und Therapie einer perinatalen Programmierung am Herzen notwendig“, unterstreicht Prof. Dr. Erland Erdmann, Stellvertretender Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der DSHF und emeritierter Professor für Kardiologie an der Uniklinik Köln.
Das Forschungsprojekt trägt den Titel „Perinatale Programmierung von Herzerkrankungen im Erwachsenenalter – die Rolle des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems“. Dr. Mehdiani und ihr Team widmen sich für ihre Untersuchungen verstärkt Fragestellungen zum RAAS. Wie zum Beispiel: Gibt es einen Weg, wie man der Überaktivierung des Hormonsystems mit Medikamenten entgegenwirken kann um so das Herz leistungsfähiger zu machen? Führt das überaktive RAAS tatsächlich zu Veränderungen, welche die Anfälligkeit für Herz-Kreislauf- Erkrankungen im späteren Leben erhöhen?
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Deutsche Stiftung für Herzforschung
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Christoph Wanko
Pressesprecher Uniklinik Köln
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