Humane Papillomviren (HPV) sind in den letzten Jahren einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden. Wissenschaftler konnten nachweisen, dass sie verantwortlich sind für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom). Seither bieten die meisten Krankenkassen jungen Frauen eine Impfung gegen HPV an. Es gibt zwei Gruppen von HPV: alphaHPV und betaHPV. AlphaHPV nisten sich überwiegend in Schleimhäute ein und können beispielsweise zu Gebärmutterhalskrebs oder Mundrachenkrebs führen.  BetaHPV werden in Hautkarzinomen gefunden. Daher geht man davon aus, dass sie bei der Entstehung von hellem Hautkrebs eine ursächliche Rolle spielen.

Menschen, denen ein neues Organ transplantiert wurde, erhalten Medikamente, die das Immunsystem „herunterfahren“, um Abstoßungsreaktionen zu vermeiden. Es wird angenommen, dass diese Unterdrückung des Immunsystems eine deutliche Virusreplikation ermöglicht. Hier setzen die Kölner Forscher an.

Dr. Baki Akgül konnte bereits in Vorarbeiten demonstrieren, dass das Einschleusen des E7 Gens von betaHPV in gesunde menschliche Zellen der Oberhaut einen tumorösen Zell-Phänotypen im drei-dimensionalen Haut-Kultur-Modellsystem hervorruft. Zudem benötigten die E7-positiven Zellen den Kontakt zu Bindegewebsbestandteilen der Unterhaut, um ihre tumorigene Eigenschaft zu entfalten.

In einem von der Wilhelm Sander Stiftung geförderten Projekt will Dr. Akgül nun den Mechanismus klären, welcher der E7 bedingten Tumorinduktion zugrunde liegt. Hierzu sollen zunächst die Genexpression invasiv-wachsender Zellen analysiert und Veränderungen identifiziert werden. Auch soll geklärt werden, wie Bindegewebsbestandteile von außen wirkend die E7-positive Zelle in ihrem Wachstum beeinflussen.

Parallel zu diesen Arbeiten soll auch eine Mauslinie generiert werden, um die tumorigene Funktion von E7 in der Haut eines lebenden Organismus zu studieren. Die Ergebnisse würden einen weiteren Beweis für den Zusammenhang zwischen betaHPV und Hautkrebs liefern und Möglichkeiten zur Entwicklung von präventiven und therapeutischen Impfungen für immungeschwächte Patienten eröffnen.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit rund 100.000 Euro. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Millionen Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Hintergrund:

Das Institut für Virologie der Uniklinik Köln ist seit 2009 des Nationalen Referenzzentrums für Papillom- und Polyomaviren. Es hat die Aufgabe, die Diagnostik dieser Virusinfektionen zu verbessern sowie epidemiologische Studien zu initiieren und zu leiten. Außerdem soll das Referenzzentrum niedergelassene Ärzte, Kliniken, Laboratorien, Forschungsinstituten und den Öffentlichen Gesundheitsdienst regelmäßig beraten und geeignete Fortbildungen anbieten. Das Robert-Koch-Institut hat das Kölner Institut für Virologie ausgewählt, da hier zahlreiche qualitative und quantitative Nachweisverfahren für Humane Papillomviren (HPV) etabliert sind.

Für Rückfragen:

Christoph Wanko
Pressesprecher Uniklinik Köln
Stabsabteilung Unternehmenskommunikation und Marketing
Telefon: +49 221 478-5548
E-Mail: presse@uk-koeln.de

<link fileadmin user_upload pressemitteilungen pm_2013 pdf-link file>Pressemitteilung als pdf-Download