Mit dem Wechsel an die Universitäts-Frauenklinik Köln hat Prof. Dr. Wolfram Jäger Anfang November die Leitung des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums an der Universitäts-Frauenklinik übernommen. Einer der Schwerpunkte des Mediziners ist ein neuartiges Operationsverfahren bei der sogenannten Dranginkontinenz, das er im Rahmen eines Forschungsaufenthaltes in den USA erlernt und anschließend weiterentwickelt hat.
Bei dieser Form der Blasenschwäche leiden die Frauen unter häufigem Harndrang – sie müssen oft mehr als acht Mal am Tag auf die Toilette. Im weiteren Verlauf sind sie dann aber nicht mehr in der Lage, den Urin überhaupt noch einzuhalten und sind fast immer nass. Die Lebensqualität der betroffenen Frauen sinkt kontinuierlich, denn ihr Leben wird von ihrer Blase bestimmt. Schätzungen zufolge betrifft die Dranginkontinanz nahezu jede dritte Frau über 60 Jahren. „Genaue Zahlen liegen nicht vor, da viele Frauen die Symptome aus Scham verschweigen. Der Umsatz an Vorlagen und Windeln in Höhe von jährlich etwa drei Milliarden Euro lässt jedoch vermuten, dass in Deutschland circa sechs Millionen Frauen betroffen sind“, so Prof. Jäger.
Dieses oft belastende Schicksal kann vielen Frauen jedoch dank der neuen Operationsmethode des Wissenschaftlers erspart bleiben. „Die Heilungsquote liegt bei etwa 75 Prozent. Bei der OP straffen wir die Bänder im Beckenboden über zwei kleine Schnitte in Bauch und Scheide“, erklärt Prof. Jäger die Technik. Die verbesserte Position der Gebärmutter beeinflusst die Lage der Blase und dadurch die für den Harndrang entscheidenden Nervenzellen. Neben dieser neuen Methode können am Kontinenz- und Beckenbodenzentrum der Universitäts-Frauenklinik Köln auch alle anderen Formen der weiblichen Blasenfunktionsstörungen behandelt werden. Das Spektrum der Behandlungen im Zentrum reicht von der einfachen Belastungs inkontinenz über Senkungszustände des Beckenbodens bis hin zur Neuanlage von Scheide oder Blase.
Prof. Wolfram Jäger, der in Bonn, Innsbruck und Düsseldorf Medizin studierte und am Universitätsklinikum Erlangen habilitierte, beschäftigte sich im Rahmen seiner Spezialisierung besonders mit der Beckenbodenchirurgie. Dazu gehören sowohl die Operation der Blasenschwäche als auch die notwendige Korrekturchirurgie, wenn beispielsweise Blase oder Scheide mit betroffen sind. „An der Uniklinik Köln will ich mich in Forschung, Lehre und Krankenversorgung zukünftig verstärkt auf Beckenbodenchirurgie und Urogynäkologie konzentrieren“, so der Mediziner. Eines seiner Ziele ist die Weiterentwicklung seiner Operationsmethode bei Dranginkontinzenz – hin zu einer minimal-invasiven Operation über eine Bauchspiegelung.
Für Rückfragen
Prof. Dr. Wolfram Jäger
Kontinenz- und Beckenbodenzentrum an der
Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Uniklinik Köln
Telefon: 0221 478-4900
E-Mail: wolfram.jaeger@uk-koeln.de
Anja Schattschneider
Uniklinik Köln
Stabsabteilung Kommunikation
Telefon: 0221 478-5548
E-Mail: pressestelle@uk-koeln.de
18.11.2010
Neue Operationsmethode bei Blasenschwäche
Prof. Dr. Jäger übernimmt Leitung des Beckenbodenzentrums an der Universitäts-Frauenklinik Köln